Archiv für den Monat: Dezember 2018

12. Zierfische & Aquarium und 1. Internationale Cichliden Tage

Die weltgrößte Aquaristik-Show Zierfische & Aquarium war vom 01. – 04. Oktober 2009 zum zwölften Mal der Treffpunkt für alle Aquarianer. Mit einer Ausstellungsfläche von 6.000 m2lud die 12. Zierfische & Aquariumgemeinsam mit den 1. Internationalen Cichliden Tagen zum Informieren, Erleben, Erfahrungs-austausch und Einkaufen nach Duisburg ein.

Die 1. Internationalen Cichliden Tage wurden den Besuchern von der Deutschen Cichliden Gesellschaft (DCG) Region Niederrhein in Kooperation mit Zoo Zajac präsentiert. Über 29.000 Besucher kamen nach Duisburg und überzeugten sich von dieser gelungenen Messekombination. Das Messeangebot umfasste beeindruckende Fische, zahlreiche Wirbellose, Wasserpflanzen, jegliches technische Zubehör, Futter- und Pflegemittel in großer Auswahl, Fachliteratur und komplette Aquariensysteme. Hier blieben keine Wünsche offen, wenn es um das eigene Aquarium oder ein komplett neues Aquarium ging.

Alles, was das Herz der Besucher begehrte, konnte an allen Messetagen direkt auf der Messe gekauft werden. Neben dem unschlagbaren Warenangebot erhielten die Besucher an den Messeständen auch individuelle Beratungen und konnten sich die Funktionsweise technischer Elemente sowie den optimalen Einsatz von Futter- und Pflegemitteln von Fachleuten erklären lassen. Vereine und Verbände präsentierten dem Publikum ihre Arbeit und standen ebenfalls mit guten Tipps zur Seite.

12. Zierfische & Aquarium

Neben dem Waren- und Informationsangebot der Messe gab es für die Besucher auch eine Menge zu sehen und zu staunen. Die zahlreichen Schau-Aquarien boten einen wundervollen Einblick in die Unterwasserwelten. Diese Biotope versetzten die Besucher ins Staunen und boten mit Sicherheit die eine oder andere Anregung für die Einrichtung des eigenen Aquariums. Das Rahmenprogramm der 12. Zierfische & Aquarium lud die Besucher zu interessanten Vorträgen Workshops rund um die Süß- und Meerwasseraquaristik ein.

1. Internationale Cichliden Tage

Auf einer Ausstellungsfläche von über 400 m2 präsentierten die 1. Internationalen Cichliden Tage die verschiedensten Cichliden aus Afrika und Amerika. Ergänzt wurden die Internationalen Cichliden Tage durch das informative und interessante Vortragsprogramm sowie die Podiumsdiskussionen des DATZ-Forums. Die Referenten berichteten über Haltungsbedingungen für Cichliden, optimale Wasserwerte, Gesundheitsfürsorge und Zucht. Weitere spannende Vorträge nahmen die Besucher mit auf die Reise in die Heimatgewässer der Cichliden. Als besonderes Highlight konnten sich die Besucher über das große 23.000 Liter fassende Aquarium

freuen, das mit spektakulären Großcichliden und Piranhas des Berliner Zoos besetzt wurde und eine imposante Unterwasserlandschaft präsentierte.

Die nächste Zierfische & Aquarium findet vom 30. September – 03. Oktober 2010 statt. Alle Diskusfreunde dürfen sich auch schon jetzt auf das 8. Internationale Diskus Championat in Duisburg freuen, das gemeinsam  mit der 13. Zierfische & Aquarium vom 30. September – 03. Oktober 2010 stattfinden wird. Vier Tage lang wird sich wieder alles rund um die Aquaristik drehen und Duisburg wird erneut zum Treffpunkt der weltweiten Diskus-Szene.

– Dascyllus aruanus – Ein Erfahrungsbericht zum Dreibinden-Preussenfisch

 

Christian Zentile

 

 

Seit einiger Zeit halte ich zwei Dascyllus aruanus (Linnaeus, 1758), die Dreibinden-Preußenfische. Zuerst kaufte ich mir einen, da nur noch einer in der Zoohandlung vorhanden war. Nach ca. zwei Wochen kaufte ich mir dann den Zweiten. Am Anfang wurde der „Neue“ etwas herum gejagt und hier und da auch mal gebissen. Aber dann haben sich die beiden Tiere zusammen gefunden.

 

 

Dass die Fische sich aggressiv gegenüber ihren Mitbewohnern verhalten, kann ich nicht bestätigen. Nur mir gegenüber sind sie nicht gerade freundlich, wenn ich im Becken herumhantiere. Dann werde ich regelrecht von allen Seiten und Richtungen von beiden Tieren angegriffen, gebissen, gestoßen, gerammt usw. Befindet sich aber Futter in meiner Hand, wird dies zuerst aufgefressen und dann die fütternde Hand in die Flucht geschlagen.
 

 
© C. Zentile

Dascyllus aruanus mit Zebrasoma flavescens.

Dabei erzeugen beide Fische ein knackendes oder knatterndes Geräusch, das man auch bei der Balz gut hören kann. Bei der Balz schwimmen beide in kurzen, spitzen Bögen rauf und runter und jagen sich dabei gegenseitig durch das Becken. Wer hier nun Männchen und Weibchen ist, kann ich nicht sagen, weil sich beide Tiere gleich verhalten.

Beide Dascyllus aruanus sind gleich groß. Gegenüber neuen Fischen verhalten sich beide wie Barsche, wie sie nun mal sind. Der Neue wird gejagt und mit Flossenschlägen und knackenden Tönen eingeschüchtert. Der Fisch sucht dann sein Heil in den Riffaufbauten. Eine Verfolgung
von den Dascyllus aruanus durch die Riffaufbauten konnte ich bis jetzt nicht beobachten, so nach dem Motto: „aus den Augen, aus dem Sinn“.  Dies Verhalten ändert sich aber nach ein bis zwei Tagen, der Neue wird dann nicht mehr beachtet und kann sich frei im Aquarium bewegen ohne
belästigt zu werden. Hierbei spielt die Größe der neuen Fische keine Rolle.
 

 
 
© C. Zentile

Mein Korallenriffbecken mit Niederen Tieren und Korallenfischen.

Ich hatte einmal versucht einen Stein neu einzulegen, das gefiel einem der beiden wohl nicht. Der Stein wurde einfach mit dem Kopf zu Seite gestoßen. Ich legte den Stein dann wieder dort hin, kaum dort, wurde der Stein wieder heruntergestoßen. Das Spiel ging 3-Mal so, dann legte
ich den Stein woanders hin und dann war es gut so!

Der Stein wog 120 Gramm – wollte nur einmal wissen, wie viel Kraft in so einem kleinen Fisch von knapp 5 cm steckt, daher habe ich ihn gewogen.

Dascyllus aruanus sind vom Verhalten her sehr interessante Fische, die ihre Mitbewohner ein bisschen in Bewegung halten, dabei aber bis jetzt noch keinen Fisch ernsthaft verletzt oder geschadet haben.

Ich werde die beiden Fische auf jeden Fall sehr lange behalten und weiter beobachten.

Anm. d. Red.: Dascyllus aruanus sollte in Gruppen zu mehreren Tieren gepflegt werden.
Mit freundlicher Genehmigung der
Redaktion der ATInfo und des Verfassers  übernommen
.

 

Sommertreffen Austria Aquanet

Nicole Halanek

Fotos: Franz Scheifinger

Unser diesjähriges Sommertreffen fand in Wien statt und für Programm war bestens gesorgt.

Der Tag begann für manche recht zeitig, da ein Teil des Vereins aus Linz anreiste. Man traf sich erstmal bei Martin Nussgruber, der unter anderem Chauffeur spielte und los gings zum brandneuen Megazoo in Stadlau.

An Größe ist dieses Zoogeschäft nicht zu überbieten, und auch die Ausstattung war sehr ansprechend. Die Besucher verstreuten sich in den weiträumigen Abteilungen, sodass es nie zu einem Gedränge kam. Die Auswahl war enorm, sowohl an Tieren als auch an technischem Zubehör. Natürlich wurden viele Fotos geschossen, bis der Magen knurrte.

Der nächste und wichtige Programmpunkt war daher das Mittag­essen, diesmal im Brandauers Schlossbräu in Hietzing, ein restaurierter historischer Biedermeiertanzsaal mit wunderschönem Gastgarten, wo dann Zeit war für angeregte Unterhaltung, Austausch von Neuigkeiten und fantastisch ungesunde Nachspeisen.

Nach dem Mittagessen wartete ein besonderes Schmankerl auf uns, eine Führung hinter die Kulissen der Aquarien und Terrarien des Tiergartens Schönbrunn. Besonders spannend waren die riesigen Meerwasseraquarien „von hinten“ und die eindrucks­volle Technik dahinter, die die Systeme am Laufen hält.

Auch die aquatischen Studien der Mitarbeiter und Diplomanden waren interessant, und die Korallengärten haben so manchen Neid geweckt.

Im Endeffekt war unser Führer schon besorgt, und schaute dazu, dass er uns dort ziemlich schnell wieder ausschleuste. Dafür gab es aber noch einen Streichelzoo für unsere Terrarianer, und sogar mein Freund Kevin hat seine lebenslange Scheu vor Schlangen bezwungen und eine solche zaghaft berührt.

Die Baby­bartagame hat auch grossen Anklang gefunden, und das obligate Händewaschen zwischen den Terrarienkellern zeigte, wie ernst das Schönbrunner Team das Wohl ihrer Zöglinge nimmt. Leider waren wie erwartet die Stiegen ein Hindernis für Rollstuhlfahrer, und Elke und Markus haben dafür den Sommertag draußen genossen.

Schließlich haben wir die Stunde nach der Führung noch dazu verwendet, den anderen Teil des Tiergartens auszukundschaften, während sich die andere Gruppe kühlen Getränken und Eis zuwandte. Es ist in den letzten Jahren besonders viel Arbeit in den Tiergarten geflossen, und er ist immer wieder einen Besuch wert.

Der vorletzte Punkt des Tages war ein anderer Zoo, der der Familie Nussgruber, und er steht an Tier­arten, Vielfalt und Einfallsreichtum in der Gestaltung dem Schönbrunner Tiergarten um fast nichts nach! Nach einer ausgiebigen Tour durch das Wohnzimmer, das Terraristik, Aquaristik und zwei Wollknäuel aus der Cäsar-­Werbung beherbergt, gings ins 1. Tiefgeschoss, wo sich der gerade fertiggestellte Aquarienkeller von ­Martin befindet. Mit ausgeklügelter Technik ist er wirklich sehenswert, neben adulten Feuermaulbuntbarschen und vielen anderen Fischen waren auch eine Menge Jungfische zu begutachten, sogar Wasserschildkröten, die aus dem Wohnzimmer ins Exil geschickt worden waren. Ein Sofa sowie ein autonomer Kühlschrank sagten mehr als viele Worte. Sehr beeindruckend war die wirklich sehr leise Filterung mit Kompressor und selbstgebauten tschechischen Lufthebern.

Fürs Abendessen war auch eine dramatische Kulisse ausgesucht worden, das Schloss Concordia, wo wir schliesslich das Abendessen hatten und den Ausklang des Abends verbrachten. Einen späten aber nicht minder erfreulichen Auftritt konnte Fritz (Krypton) verbuchen und es wurde dann doch etwas länger als geplant.

Das diesmalige Vereinstreffen war damit vorüber, und das nächste wird bereits ungeduldig erwartet, hoffentlich wieder mit vielen von Euch bei Punsch.

Amazonas-Expedition mit Projekt Piaba und Dr. Gerald Bassleer

Mit einer Gruppe von 20 Aquaristik-Enthusiasten hat Dr. Gerald Bassleer eine Expedition zum Rio Negro gemacht. Organisiert wurde der 10tägige Trip durch die brasilianische Messe Aquamazonia zusammen mit Dr. Gerald Bassleer, Dr. Labbish Chao (Project Piaba) und Scott Dowd.

Nach einem Besuch der „Aquamazonia 2010“ und einer 2tägigen Konferenz mit 90 internationalen Teilnehmern mit dem Titel „Green Ornamental Fish Industry“ brach die Gruppe von 20 Aquaristik-Liebhabern aus Norwegen, Belgien, USA, Canada, Taiwan, Tschechien und Deutschland mit gut ausgestatteten Booten zu einer beeindruckenden Expedition in den brasilianischen Urwald auf. Auf der Reise gab es reichlich Gelegenheit für Dschungelexpeditionen, Schwimmen, Tauchen, Schnorcheln, Beobachtungen von Vögeln, Affen und anderen exotischen Tieren.

Schwerpunkt war aber natürlich der Besuch von Zierfischfarmen sowie die Entdeckung und Beobachtung der heimischen Fische im Schwarz- und Weißwasser. Ein besonderes Erlebnis war das Zusammentreffen mit den wunderschönen Süßwasser-Delphinen in ihrer natürlichen Umgebung. Der weltweit anerkannte Ichthyologe Dr. Gerald Bassleer, Autor einiger Fachbücher über Fischkrankheiten (z. B. „Der neue Bildatlas der Fischkrankheiten“) und Entwickler von „Dr. Bassleers Biofish Food“, ist seit einigen Jahren Präsident des internationalen Verbands der Zierfischbranche „OFI – Ornamental Fish International“.

Er hat die Reise fachlich begleitet und zusammen mit den Teilnehmern wissenschaftliche Untersuchungen an den heimischen Fischen durchgeführt. Das Mikroskop für die Untersuchungen während der Reise wurde von Aquarium Münster gestiftet. Am Ende der Reise wurde es von Dr. Bassleer an Dr. Ning Labbish, dem Organisator von „Project Piaba“, dem brasilianischen Programm zum Schutz und zur Erhaltung der Natur und Zierfischbestände, als Geschenk überreicht. Die Reise hat für alle Teilnehmer unvergessliche Eindrücke hinterlassen. Auch für 2012 plant Dr. Gerald Bassleer wieder eine ähnliche Expedition.

 

 

 

– Eine Information von Dr. Gerald Bassleer

Presseaussendung Aquarium Münster Pahlsmeier GmbH

Nachzucht von Hypancistrus Inspector L201

Endlich ist es mir gelungen, einen L-Wels „Loricariidae“ nachzuziehen!

Obwohl es schon etliche Berichte im Netz gibt, will ich Euch meine Erfahrungen nicht vorenthalten!

Der Hypancistrus Inspector (L201) kommt aus dem Rio Orinoco, Venezuela.
Er gehört zur Gattung Hypancistrus und ist somit wie alle anderen Arten der Gattung zu halten! (z.B.: L46, L66, L260, L333 …)
Sauberes, sauerstoffreiches und warmes Wasser!
Bei den Wasserwerten sind diese Tiere sehr flexibel.
Seine Endgröße liegt zwischen 10 und 12 cm.

Ich kaufte mit vor ca. 1,5 Jahren eine Gruppe von 11 Tieren!
Es handelte sich um F1 NZ!
Die Größe betrug zwischen 3 und 4 cm.
Zum wachsen kamen die Tiere in ein 125L AQ gemeinsam mit einem Pärchen Ancistrus Dolichopterus Albino.
Als die Tiere ca. 5 cm groß waren, setzte ich sie in ein eigenes AQ. 80x35x35cm (98L)

Leider waren nur noch 7 Tiere aus der Gruppe übrig!
Ein totes Tier habe ich aber nie entdeckt.

Als Bodengrund kam eine Schicht auch schwarzem Kies ca. 3 cm hoch.
Eine eigene Höhlenkonstruktion aus Schieferplatten diente als Versteckmöglichkeit.
Gefiltert wird das ganze mit einem HMF, der über eine ganze Seite geht.
Als Umwälzung dient eine Pumpe mit 400L/h.
Zusätzlich befindet sich auch ein Innenfilter im AQ.
Die Temperatur beträgt 27°C.
Das Wasser wurde nicht aufbereitet.

Die Wasserwerte betragen:
GH 12
KH 10
PH 7,3
Nitrit 0
Nitrat 20
PO4 >10

Alle 3-4 Tage Wasserwechsel von ca. 20L.
Gefüttert wird mit Zierfischfuttergranulat und ab und zu pflanzliche Futtertaps.
Eher selten gibt es weiße Mückenlarven.

Das AQ ist nicht bepflanzt.
Nur 3 Moosbälle befinden sich im AQ.

Als die Größe der Tiere in etwa bei 6 cm lag, gab ich ihnen noch zusätzliche Höhlen hinzu.
7 Tonhöhlen, 4 Hypancistrushöhlen mit Frontaleingang und 3 mit Seiteneingang. (THX an Baba)
Das war vor ca. 2 Monaten.
Sofort wurden die Höhlen mit Seiteneingang besetzt.
Die Höhlen mit Frontaleingang blieben leer.

Vor ein paar Tagen entdeckte ich das erste Jungtier!
Die Größe beträgt ca. 12 mm.
Andere Jungtiere konnte ich noch nicht entdecken.
Ich vermute, dass die anderen noch in einer der Höhlen sind.

Generell ist auch zu erwähnen, dass die Tiere sehr scheu sind.
Die adulten Tiere kommen nur bei abgeschaltetem Licht hervor!
Gefressen wird nur bei Nacht!
Das Futter sollte also am Abend gegeben werden!

Wer Kritik und/oder Anregungen hat, bitte mitteilen!
Gruß Ralph!

Garnelentag 2009 – Garnelen, Krebse und Schnecken im Aquarium

Das war der AUSTRIAN AQUANET Garnelentag 2009
Danke für Euer kommen
Foto: Martin Nausner
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Der Vivarienverein AUSTRIAN AQUANET veranstaltet am
Samstag, den 3. Okt. 2009 von 10:00 bis 18:00 im
Volkshaus Harbach
Im Bachlfeld 31
4040 Linz
den AUSTRIAN AQUANET-Garnelentag
Garnelen, Krebse und Schnecken im Aquarium

Als Vortragende konnten wir folgende Spezialisten der Wirbellosenszene gewinnen.

Werner KLOTZ
Alexandra BEHRENDT
Oliver MENGEDOHT
 Monika RADEMACHER

 

Das Programm

 

ab
10:00
  Börse mit Raritäten aus dem Bereich der Wirbellosenaquaristik
10:30  Alexandra BEHRENDT
12:30
 Signierstunde mit Bücherverkauf
14:00  Werner KLOTZ
16:00
 Oliver MENGEDOHT
Monika RADEMACHER
18:00 Verlosung Gewinnspiel

 

 

 

 

 

Unterstützt durch:

Sowie mit Unterstützung des OÖVVÖ und der Stadt Linz

– In besonderer Gala –

Etroplus
maculatus
Bloch, 1795

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von Otto Böhm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als ich das erste Mal bei
einem Bekannten die Goldform von Etro­plus maculatus (Bloch, 1795 sah,
musste ich nicht lange überlegen, um ein Paar dieser etwa 8 cm groß werdenden
Barsche mitzunehmen. Die Geschlechter bei der goldenen Form sind schwer zu
unterscheiden, denn Männchen als auch Weibchen se­hen fast gleich aus. Glaubt
man, ein sicheres Unterscheidungsmerkmal gefunden zu haben, muss man später
feststellen, dass dies eben nur auf ein einzelnes Individuum zutrifft und bei
einem anderen wieder fehlt. Die Weibchen sollen matter gefärbt sein und kein
Rot in den Flossensäumen haben. Sicher unterscheiden konnte ich nur Weib­chen
mit Laichansatz an seiner dunkleren Bauchhöhle. Mit meiner Neuerwerbung zuhause
angekommen, kam das Paar vorerst in ein 10-Liter-Aquarium mit etwas Javamoos
und einem Hohlziegel als Versteck. Dann wurde die Literatur nach Bio­topangaben
durchstöbert.

 

 

 

Die Heimat dieses Fisches sind
die Küstengebiete der Malabar und Koromandel in Vorderindien sowie auf Sri
Lanka, das ehemalige Ceylon. Das Vorkommen erstreckt sich von den
Brackwasserzonen bis etwa 120 km landeinwärts. Das subtropische Klima hat einen
Jahres-Durchschnitt von 27 °C. Am heißesten ist die Zeit vor dem Som­mermonsun.

 

 

 

 

 

 Der Indische Buntbarsch, Etroplus maculatus, bewohnt die mittleren
Wasserregionen des Aquariums. Der Punktierte Buntbarsch (so sein
weiterer Trivialname), ist im Normalfall friedlich.
© O. Böhm

 

 

 

 

 

 

Die Färbung dieses Cichliden ist
sehr variabel und die goldene Farbvariante wurde durch sorgfältige Selektion
herausgezüchtet. Es wurde erstmals im Jahre 1976 darüber berichtet, und dies
hat die Art in unseren Aquarien erst populär gemacht. Am ehesten kommt die
Erstbeschreibung von Bloch, welcher die Grundfarbe mit hellorange bis goldgelb
angibt, der goldenen Neuzüchtung aus Singapur nahe. Ansonsten sind besonders die
noch nicht voll adul­ten Tiere, so genannte „graue Mäuse“, und als Ladenhüter
bei den Händlern zu finden. Erstmals wurde E. maculatus im Jahre 1907
eingeführt, wurde aber von den bunteren afrikanischen und amerikanischen
Cichliden fast ganz ver­drängt und ist daher nur selten zu haben. Mit der
goldenen Form hat sich dies schlagartig geändert. Die Fische wurden zu
begehrten Pflegeob­jekten. Schade um die verdrängte Nominatform, denn sie sind
im zuchtfähigen Alter durchaus schöne Aquariumfische. Die „güldene Form“ hat
bereits im Kindesalter die Grundfarben der Eltern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Haltung ist problemlos und,
obwohl immer wieder zu einem Seesalzzusatz geraten wird, lassen sie sich ohne
weiteres auch in reinem Süßwasser halten und züchten. Empfindlich gegen Was­serwechsel
sind sie nur dann, wenn dieses zu stark belastet ist. Das Verhalten der Neuen
war anfangs etwas scheu; sie wurden aber bald sehr zutraulich und nahmen sogar
das angebotene Futter von der Pinzette. Gefressen wurde alles, einschließlich
Trockenfutter Dass E. maculatus Pflanzen fressen soll, konnte ich nie
beob­achten und sollte dies, wie in der Literatur angegeben, wirklich vor­kommen,
so ist dies sicherlich nicht erwähnenswert. Ich kann die­se Art nur empfehlen;
sie ist friedlich, gräbt nicht, und kann zu den kleinen Cichliden gezählt
werden. Nur in der freien Natur können sie acht Zentimeter groß werden, im
Aquarium höchstens sechs Zentimeter.

 

 

 

 Der Indische Buntbarsch – im
Bild die goldene Farbvariante – ist ein idealer Anfängerfisch, an dem
jeder Aquarianer die entzückende Brutpflege (beide Eltern bewachen
Laich und Jungfische) in Ruhe genießen kann.
© O. Böhm

 

 

 

 

 

Bei kräftiger und
abwechslungsreicher Fütterung hatte das Paar bald an einem senkrechten Stein
abgelaicht. Bei vielen nachfol­genden Zuchten wurde immer wieder die
lichtabgewandte, senk­rechte Seite des Hohlziegels als Ablaichplatz ausgewählt.
Höhlen wurden nie aufgesucht und flache, senkrechte Flächen wurden auch von
anderen Paaren bevorzugt. E. maculatus führen ein har­monisches Eheleben
und sind vorzügliche Eltern. Der Laichplatz wird sorgfältig, nach Cichlidenart,
gereinigt und die Eier an kurzen Fäden angeheftet. Die Zahl der einzelnen
Gelege schwankt zwi­schen 120-360 Eiern, die von beiden Elternteilen gleich fürsorglich
bewacht, befächelt und gereinigt werden. Bei soviel Aufmerk­sam­keit verpilzen
nur sehr wenige Eier, die sofort ausgepickt werden. Die Eier sind anfangs
durchsichtig grau und werden mit zunehmen­der Entwicklung der Embryonen immer
dunkler Bei 26 °C. schlüp­fen die Jungen nach fünf bis sechs Tagen mit Hilfe
der Eltern, die sie aus der umhüllenden Schale befreien. Sie zappeln anfangs am
Boden und sehen, noch größtenteils aus einem Dottersack bestehend, noch keinem
Fisch ähnlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

Sind alle Jungen geschlüpft,
werden sie mit dem Maul in eine, meist schon vorher ausgehobene flache Grube
transportiert und bis zum Freischwimmen immer von mindestens einem Elternteil
bewacht. Die anfangs schwarzen Jungen werden von Tag zu Tag schlanker und
nehmen immer mehr die gelbe Farbe der Eltern an. Sie sind im­mer in zappelnder
Bewegung und ihre ersten Schwimmversuche gleichen mehr einem Hochhüpfen vom
Boden. Etwa am zehnten Tag schwimmen sie frei über dem Boden und wehe dem
Eindringling, der den Jungen zu nahe kommt. Selbst die menschliche Hand wird
vehement angegriffen.

 

 

 

 Ein Schwarm Jungfische des Indischen Buntbarschs, Etroplus maculatus, im Aquarium des Verfassers.
© O. Böhm

 

 

 

 

 

Nun ist der Augenblick gekommen,
die Jungen erstmals zu füttern. Salinenkrebs-Nauplien eignen sich dafür sehr
gut und werden so­fort angenommen. In kleinen Becken ist die Nitratanreicherung
sehr hoch und die Jungen wachsen dann sehr langsam; ein öfterer Wasserwechsel
ist deshalb notwendig. Ich setzte deswegen die Jungen nach vier Wochen in ein
130 cm langes Becken um. Sie blieben auch ohne die Alttiere dicht zusammen und
es war ein erhebender Anblick, einen Schwarm von 360 Tieren in Schwarmbewegung
da­hinziehen zu sehen, die Übereinstimmung und Gleichzeitigkeit der Bewegungen
aller Einzelwesen, die sich in derselben Richtung be­wegen. Dem Fisch an der
Spitze wird gefolgt, doch wechselt der Führer ganz zufällig mit der
Fortbewegung. Es gibt in diesem Schwarm keine Trennung und es ist einem
einzelnen Exemplar gar nicht möglich, in Gegenrichtung zu schwim­men. Eine
Auflocke­rung des Schwarm erfolgt nur bei der Fütterung. Bei E. maculatus
handelt es sich um keinen Temporärschwärmer, wie man sie in großen Seen oder im
Meer findet. Die Vereinigung zum Schwarm findet nur im juvenilen Alter statt
und beruht hauptsächlich auf der Neigung dieser Altersgruppe, sich einander
zuzugesellen. Gegen Räuber bietet der Schwarm Schutz, da diese visuell
irritiert werden. Geeignete Schwarmbeobachtungen können nur in größeren Becken
gemacht werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Cichliden sind Individualisten,
die sich in kein Schema pressen las­sen. Sie führen ihr Leben nach eigenen
Grundsätzen und können sich oft erheblich voneinander unterscheiden. Dem
Pfleger brin­gen sie immer wieder Überraschungen. Ich glaubte ebenfalls, mein
Zuchtpaar zu kennen, und als es bereits mehrmals das Gelege problemlos
aufgezogen hatte, brachte ich es zwecks besserer Beobachtung in einem größeren
Becken unter. Die Steine wurden genauso aufgestellt und die Tiere zeigten nach
dem Umsetzen ihr natürliches Verhalten. Sie laichten auch wieder programmgemäß
ab und pflegten ihr Gelege. Tagtäglich wurden die Eier jedoch weni­ger und am
vierten Tag waren sie restlos aufgefressen. So etwas kommt bei Cichliden gar
nicht so selten vor und die Gründe sind meist junge Zuchtpaare oder Störungen
während des Brutge­schäftes. Dies ereignete sich aber viermal hintereinander
und ich war schon der Meinung, dass meinem Paar das Eierfressen zur Ge­wohnheit
geworden sei. Plötzlich klappte es ohne vorgenommene Änderung bei der Haltung
wieder wie vorher und jede Brut wurde fürsorglich gepflegt.

 

 

 

 

 

 

Die Ursache dürfte im
Hormonhaushalt zu suchen sein und das Umsetzen dürfte genügt haben, den
Brutpflegeinstinkt zu stören. Es fehlten dazu die notwendigen, stimulierenden
Hormone, die durch die endokrinen Drüsen nur unter bestimmten Voraussetzun­gen
erzeugt werden. Die Drüsentätigkeit regelt das Fortpflanzungs­verhalten der
Fische. Für jede Gattung und Art gibt es dafür be­stimmte Temperaturbereiche
und es werden die notwendigen Ge­schlechtsauslöser nicht produziert, solange
fehlende Licht- und Wärmeänderungen nicht vorhanden sind.

 

 

 

 

 

 

Die Änderungen werden durch die
Augen und Nervenendungen in der Haut wahrgenommen und an die endokrine Drüse
(Hypophyse = Hirnanhangdrüse) weitergeleitet. Einsetzender Regen kann ebenfalls
als Laichstimulanz fungieren. Zur Zeit der Überschwem­mung laicht der
überwiegende Teil der Fische. Bei E. maculatus ist außer den genannten
Umgebungsfaktoren auf die Laichzeit noch zusätzlich das Brutpflegeverhalten
vorhanden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der ATInfo und des Autors.

 

 

 

Gefährdung der Wälder und Flüsse Amazoniens und speziell des Hypancistrus zebra

 

 

Rückgang der Hypancistrus zebra Bestände im Fanggebiet und allgemeine Gefährdung der Biotope in Amazonien müssen wohl etwas getrennt betrachtet werden, da beim Zebrawels zusätzlich zur allgemeinen Biotopgefährdung auch noch der anscheinend doch enorme Druck durch die Fänge für die Aquaristik zumindest in einem bestimmten Bereich des Rio Xingú dazukommt.
Wie weit sich das Vorkommensgebiet des Hypancistrus zebra erstreckt, ist mir ehrlichgesagt auch nicht bekannt.

 

In der Erstbeschreibung wird nur der Fundort des Holotypus genau lokalisert.

 

Zitat IEF 1/4 1991 aus der Erstbeschreibung von Isbrücker und Nijssen S. 348:

 

Brazil, Est Pará, anastomoses of Rio Xingu, about one hour upstream of Altamira by speedboat…

 

 

Jetzt kann man mal wieder nur schätzen.
Wie schnell fährt so ein "Speedboat" flußaufwärts? 10 km/h?
Etwa 100 km den Xingu flußaufwärts von Altamira bei der Einmündung des Rio Iriri in den Xingu beginnt das erste Indianerschutzgebiet (nicht das der Kaiapo, sondern mehrerer Stämme, Trincheira, Kararao, Arara, …). Dort darf eigentlich nicht mehr gefangen werden.
Kommt der Zebrawels dort noch vor?
Oder ist sein Vorkommensgebiet wirklich auf einen kurzen Flußabschnitt beschränkt und weiter flußaufwärts kommen dann andere Hypancistrus Formen oder Arten (wer weiß das schon) vor, wie eben z.B. der "L 236" aus dem Rio Iriri (von dem es, da diese Form oder Art noch nicht wissenschaftlich beschrieben worden ist – wenn es überhaupt eine eigene Art sein sollte – natürlich noch keine genaue Fundortangabe des Holotypus gibt. Ich kenne jedenfalls keine genauen Fundortangaben, die Fänger werden natürlich ihre Quellen nicht verraten bei einem so teuren Fisch, abgesehen davon, dass der Fang dort ja nicht wirklich rechtens sein soll -?-)?

 

 

Der Rio Xingu ist ja kein kleines Flüßchen, sondern ein riesiger Strom, etwa 2.500 km Länge. Zum Vergleich: der Rhein hat etwas über 1300 km Länge.
Der Xingu bewegt pro Sekunde etwa 11 Millionen Liter Wasser in den Amazonas – Rhein etwa 2 Mio. Liter/sek im Unterlauf.
Das "Xingu-Tal" hat eine Fläche von etwa 504.000 km² und ist damit fast so groß wie Frankreich…

 

 

Das nur zur Veranschaulichung damit auch allen klar ist, "worüber" wir sprechen und dass das nicht "so" einfach ist, den Rio Xingu zu schützen.
Die Donau ist grad ein bißchen länger und führt bei weitem weniger Wasser, ich möchte mal die Reaktionen sehen, wenn wir hier auf einmal die Donau nicht mehr nutzen dürften, für uns war es ja schon ein Riesenerfolg, als wir ein Stückchen Auwald hinter Wien als Naturschutzgebiet durchbringen konnten und das ist vorher fast in einen Bürgerkrieg ausgeartet…

 

 

Ein Großteil des Rio Xingu ist eh schon Indianerschutzgebiet, hier mal zur Verdeutlichung eine zwei Karten davon (Copyright liegt bei der SI 2003, ich hoffe nicht, dass die hier mitlesen und mit verklagen werden…):

 

 

 

 

Die linke Karte zeigt die Indianerschutzgebiete und die rechte die Waldrodungsgebiete am Rio Xingu an.
Leicht zu erkennen, dass dort, wo Indianerschutzgebiete liegen, das Problem mit der Waldrodung kaum vorhanden ist.
Den Indianern obliegen alle Rechte in ihren Gebieten – sie, und nur sie dürfen eventuell Waldrodungsrechte an bestimmte Firmen verkaufen.
Aber sie denken inzwischen inzwischen sehr "naturschützerisch".
Diese Denkweise rührt auch von den Vorfällen Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts am Rio Xingu, als eben dieser Staudamm am oberen Rio Xingu gebaut werden sollte.
Die Indianer wurden damals von den NGO´s aufgerüttelt und aufgeklärt, wie ein eventueller Staudamm ihren Lebensraum zerstören würde.
Der Ethologe Daryl Posey animierte die Kaiapo Indianer zum Widerstand und organisierte ihren Demo Marsch gegen das Wasserkraftwerk.
Vielleicht haben einige von Euch noch die Bilder der beiden Kaiapo Häuptlinge in Erinnerung. Der Häuptling der südlichen Kaiapo, Rauoni, reiste damals mit Sting um die ganze Welt und der Häuptling der nördlichen Kaiapo, Paulo Paiakan, wurde bei den Politikern herumgereicht, hatte gute Kontakte zu Al Gore, ist unter anderem "Bruno Kreisky Preisträger für Menschenrechte" (und heute verurteilt wegen Vergewaltigung – er "versteckt" sich im Gebiet seines Stammes wo die Brasilianische Justiz keinen Zugriff auf ihn hat).
Natürlich gibt es mit der Überwachung auch einige Probleme, die Kaiapo umfassen etwa 5.000 Menschen und sollen ein Gebiet etwa so groß wie Österreich überwachen. Sie haben allerdings ein Flugzeug von Bodyshop incl. Pilot zur Überwachung zur Verfügung gestellt bekommen – Gegenleistung sind die alleinigen Fotorechte für Bodyshop – sowie Nußknackmaschinen für Paranüsse und verkaufen auch ihre Paranüsse an Bodyshop.
Ganz "so" arg siehts also am Rio Xingu nicht aus.

 

 

Natürlich gibt es im Gebiet illegale Goldschürfer, welche mit ihrem Quecksilber und den daraus einherrührenden Dämpfen, welche durch den Regen wieder auf das Gebiet niedergehen, die Umwelt samt Menschen vergiften.

 

 

Die Waldrodung ist ein allgemein Amazonisches Problem.
Am Rio Xingu direkt vielleicht nicht so schlimm, bloß "ist der Rio Xingu nicht alleine".
Der ganze Amazonas Regenwald hängt ja zusammen.
Und um einen Regenwald am existieren zu halten, benötigt es eine bestimmte Niederschlagsmenge. Diese beträgt etwa 2.000 mm NS/Jahr für einen tropischen Regenwald.
Nun wird diese NS Grenze in Amazonien ab etwa Zentralamazonien gerade noch erreicht. Im Osten (Richtung Atlantik, Rio Tocantins) schon nicht mehr.
Problem: 74 % der Niederschläge in Amazonien sind "hausgemacht", nur etwa 26 % werden durch Passatwinde vom Atlantik herbeigeführt.
Der Wald hat eine riesige "Schwammwirkung". Er saugt das Niederschlagswasser auf und gibt durch Verdunstung einen großen Teil wieder an die Atmosphäre ab. Der Rest geht in die Flüsse und damit in den Atlantik.
Wenn nun ein Stück Wald gerodet wird, geht die Schwammwirkung dieser Fläche eben verloren. Mehr Wasser geht direkt in die Flüsse und damit in den Atlantik.
Der Passat bringt deshalb aber nicht mehr Wasser zurück!
Dieses Wasser geht also in den Amazonischen Niederschlägen ab. Und ein großer Teil des Amazonischen Regenwaldes liegt in Gebieten, die bezüglich Niederschlägen sowieso schon an der Grenze liegen, an der ein tropischer Regenwald existieren kann.

 

 

Das führt zu einer Austrockung des Waldes, Laubfall, mehr Sonnenlicht kommt am Boden an, mehr Austrockung…

 

 

Wald beschattet kleine Bäche, Bäche mit ihrer ins Wasser reichenden Vegetation sind teilweise wichtige Brutstätten für viele aquatische Lebensformen… Beschattung – Vegatation im Wasser fehlt – Temperatur steigt… Auswirkungen auf die Fischfauna kann sich jeder vorstellen.
(es gibt da, allerdings nicht über Amazonische, sondern Mittelamerikanische Harnischwelse und deren Freßverhalten gute Untersuchungen von Mary E. Power – Ergebnisse u.a., dass die untersuchten Harnischwelsarten – hier Ancistrus, Hypostomus und Loricaria nur einen Algenrasen von bestimmter Länge abgrasen. Man stelle sich nun vor, durch vermehrte Sonneneinstrahlung vermehrtes Algenwachstum, diese "hohen" Algen werden aber dann von den Harnischwelsen gar nicht mehr als Nahrung angenommen…)

 

 

Weiteres Problem:
Der Amazonische Regenwald brennt nicht (bzw. brannte nicht), er ist zu feucht.
Blitzschlag war kein Problem (und damit einhergehende Waldbrände).
Die Brandrodungen der Indianer (sie ziehen alle fünf Jahre weiter und brennen dafür ein kleines Stück Land nieder) waren kein Problem, das Feuer griff nicht auf den restlichen Regenwald über.
Nun ist der Wald aber teilweise trockener, er brennt.
Die möglichen Auswirkungen mag sich jeder selbst ausmalen.

 

 

Und wer ist schuld an der Abholzung der Amazonischen Regenwälder?
Hauptschuld trägt der Staat Brasilien selbst!
Von 1965 bis 1983 hat der Staat Brasilien die "Nutzbarmachung" des Landes mit 600 Mio US-$ gefördert.
Man konnte riesige Landgebiete zu unglaublich billigen Preisen kaufen, einzige Bedingung dafür war, dass man das Land nutzbar machen mußte.
Dadurch entstanden die riesigen Farmen (die größte hatte 6.800 km²!) für die Viehwirtschaft, für Monokulturen, …
Nur ist in Amazonien aufgrund des geringen Nährstoffgehaltes des Bodens JEDES landwirtschaftliche Großprojekt gescheitert.
Brasilien hat auch dann diese Förderungen nicht mehr gezahlt, das ehemalige Weideland für die Rinder wird nicht mehr genutzt,verödet, versteppt (die ersten Gebiete sind schon Ende der 60er Jahre verödet – aber inzwischen roden die Großgrundbesitzer wenigstens keine neuen Waldflächen mehr für ihre Weiden). Durch dieses Land ziehen aber auch Flüsse, durch Erosion, Niederschlag kommt das Sediment in die Flüsse, trübt Klarwasserflüsse ein, was wieder zu Kettenreaktionen führt…

 

 

Was sind heute die Gründe für die Abholzung?

 

 

Bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein kam nur etwa 2 % des weitweit genutzten Tropenholzes aus Amazonien.
Der allergrößte Teil aus Südostasien. (Afrika war und ist als Tropenholzlieferant total belanglos, die Afrikaner haben sich ihren Regenwald selbst zerstört, das Holz zum Heizen und bauen genutzt und nicht exportiert.)
Als in den 80er Jahren dann diese Umweltschutzgedanken und Rettungsaktionen für die Regenwälder allmählich aufkamen, auch die globalen Umweltschutzkonferenzen, waren die Südostasiatischen Länder mehr oder weniger gezwungen, ihre Tropenwälder besser zu schützen um nicht vor der restlichen Welt als Umweltverbrecher dazustehen.
Und Brasilien hatte seinen zweiten tropischen Regenwald, die Mater Atlantica, bis dahin beinahe vollkommend zerstört.

 

 

Das bis dahin als Tropenholzlieferant unbedeutende (weil nicht erschlossene) Amazonien rückte in den Mittelpunkt des Interesses der globalen Holzwirtschaft.
Nun werden in Amazonien aber nur sehr wenige Holzarten für den Export genutzt (genau 147 Arten, eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich zur Gesamtzahl der Holzpflanzen).
Die Forstwirte argumentieren nun, dass die Holzindustrie in Amazonien nur Einzelstammnutzung betreibt, und diese Art der Nutzung für den Gesamtwald nicht schädlich ist.
Allerdings zeigen Untersuchungen (von Uhl & Viera) ein anderes Bild:
Obwohl bei einer derartigen Nutzung nur 1 – 2 % der Stämme mit einem Durchmesser von > 10 cm dbh gerodet und aus dem Wald entfernt werden, verursacht eine solche Nutzung durch die verwendeten Maschinen (Buldozzer) nach dem Abtransport der Stämme aus dem Gebiet eine Schädigung oder ein Absterben von 26 % aller Stämme mit einem Durchmesser > 10 cm in Brusthöhe in dem bearbeiteten Gebiet (das "Kleinholz" wurde gar nicht untersucht) und nach Beendigung der Arbeiten sind nur noch 43 % des Bodens waldbedeckt -> extrem erhöhte Sonneneinstrahlung, Austrockung, … (Folgen wie gehabt).
Einem Landbesitzer bleibt nach einer solchen Aktion auf 50 ha ein Reingewinn von 9.000 US $ – also ein einträgliches Geschäft.
Und ein weiterer Aspekt, der von den Holzfirmen verschwiegen wird (sie argumentieren, dass sie nach der Nutzung ja etwa 100 Jahre aus dem gleichen Gebiet wegbleiben):
Durch die Abholzung der (wenigen) Bäume und die dafür erforderlichen Maschinen wird das vorher absolut unzugängliche Regenwaldgebiet zugänglich gemacht (Wege, …), und die landlose einheimische Bevölkerung kann in dieses Gebiet nachziehen.
Eine der größten Ressourcen in Amazonien sind die Erzvorkommen. Riesige Erzabbaugebiete sind entstanden, und zur Erzgewinnung braucht man riesige Mengen an Holzkohle für die Öfen.
Diese Holzkohleerzeugung ist nun eine der wenigen Einnahmequellen für die verarmte Landbevölkerung, und diese kann nun in vorher unzugängliche Regenwaldgebiete, welche von den Holzfirmen durch ihre Einzelstammnutzung zugänglich gemacht worden sind, nachziehen und den "Rest" des Waldes "bearbeiten". Die Folgen… (kann sich jeder selbst ausmalen).
Brasilien braucht allein für die Gußeisenproduktion jährlich eine Menge von 25 Mio. m³ Holz (entspricht 900 – 2000 km² Wald).
Inzwischen wurden für den Bergbau weitere 40.000 km² als Konzessionsflächen bewilligt, großteils in Indianergebieten, es liegt also wieder mal an den Indianern…

 

 

Und die Staudämme?

Am oberen Xingu werden wohl die Indianer einen Staudamm verhindern.
Der flußabwärts von Altamira geplante Staudamm in Belo Monte wird heftigst bekämpft, könnte große Probleme bringen, das Projekt ist nocht nicht durch. Überschwemmt würden etwa 400 km² Land.
Solche Wahnsinnsaktionen wie den Tucurui Staudamm am Rio Tocantins (2.500 km² Wald wurden überflutet, etwa 6 Mio. m³ Holz ungenutzt überflutet – inzwischen hat man in Brasilien die "Unterwassermotorsäge" erfunden und dieses Holz wird heute "unter Wasser" gefällt) wird es wohl nicht mehr geben, trotzdem sind etwa 80 Staudammprojekte in Planung.
Bloß, wieviele Staudämme gibt es alleine an der Donau?

 

 

Ich weiß, dieses Posting war wieder "ultragescheit", bloß vielleicht versteht jeder, der es von oben bis unten durchgelesen hat, dass es nicht _einen_ Grund für das seltener werden des Zebrawelses gibt.
Vielleicht schreit dann keiner mehr "die Goldgräber sind schuld!".
Man muß die ganze Problematik ein bißchen differentierter sehen und alle Einflüsse mit einbeziehen, auch, wenn dann die Zukunftsausichten nicht so besonders rosig erscheinen.
Es sind nicht bloß die 1 Mio Goldgräber in Amazonien.
Es ist nicht bloß die Holzwirtschaft oder die Weidewirtschaft.
Es sind nicht bloß die Staudämme.
Und Aquarienfischfänger? Beim Großteil der Zierfischarten macht der Fang für die Aquaristik sicher keine Gefährdung aus. Beim Zebrawels ist das vielleicht etwas anders. Wenn das Vorkommensgebiet wirklich auf einen kurzen Flußabschnitt beschränkt ist, wird sich der extreme Fangdruck sicher auf die Populationen auswirken. Leerfischen ist aber wohl kaum möglich.
Wenn das Vorkommensgebiet eventuell aber viel größer sein sollte, bekommen "wir Aquarianer" zwar trotzdem keine L 46 mehr (oder nicht mehr so leicht), aber die Art ist zumindest durch die Zierfischfänger dann garantiert nicht gefährdet… (d.h., sie ist dann genauso gefährdet, wie die meisten anderen Lebewesen in Amazonien).
Ich finde das Exportverbot bzw. Export- oder Fangbeschränkungen für den Zebrawels jedenfalls ganz ok…

 

 

 

 

Vereinsausflug nach Tschechien

von Elke Affenzeller und Markus Kriegl
Fotos: Martin Nussgruber

 

Am Samstag, dem 19. April 2008, um 9.00 Uhr trafen wir am vereinbarten Treffpunkt in Linz unsere Vereinskollegen aus Wien. Zu sechst machten wir uns auf den Weg Richtung Grenzübergang Weigetschlag. Im Kaffeehaus Kastner in Bad Leonfelden nach einem 2. Frühstück waren auch die letzten Morgenmuffel endgültig munter. Vorbei an dem neu renovierten Kloster in Vyšši Brod kamen wir schon bald am Moldaustausee und den noch in Winterruhe befindlichen Ferienanlagen vorbei.

Auch die Natur ließ hier, in dieser Höhenlage, den nahenden Frühling noch kaum erahnen. Bereits nach 10 km hatten wir unser erstes Ziel erreicht: die Zierfischzucht und Fischfutterproduktion der Firma „Exot Hobby“ in Cerna v Posumavi. Wir wurden sehr herzlich von Tomas jun. Suchanek und seinem Vater Tomas sen. Suchanek begrüßt. Wir besichtigten die Aquarienanlage mit einer großen Anzahl von Fischarten. Von Panzerwelsen, Salmlern über afrikanische sowie südamerikanische Barschen bis zu Regenbogenfischen war alles zu sehen. Ein weiterer Raum, wo wir die Zuchtanlage vermuteten, war für uns leider nicht zugänglich. Nachdem wir die zahlreichen Becken eingehend begutachtet hatten, begannen wir über die einzelnen Arten zu fragen und zu diskutieren, wobei Tomas jun. und Tomas sen. unseren Fragen geduldig Rede und Antwort standen.

Lukas Affenzeller, unser jüngstes Vereinsmitglied, erstand für sein Aquarium einige Tanichthys albonubes.Wir kauften für unser 200-l-Becken Corydoras panda, die nach 2 Tagen bereits abzulaichen begannen. Nicole Halanek erwarb ein Pärchen Apistogramma viejita. Danach fuhren wir mit Tomas jun. zu einem anderen Gebäude, wo die hauseigene Futter­marke SAK hergestellt wird. Hier nutzten wir die Möglichkeit uns mit Futter für unsere Schützlinge einzudecken. Es war bereits nach Mittag, als wir Richtung Krumau aufbrachen. Um unseren Hunger zu stillen, suchten wir auf dem 20 km langen Weg ein Restaurant. In Novosedly wurden wir fündig. Wir aßen in einem Gewölbe eines Gasthauses, das 1609 gebaut wurde. Nach dem ausgezeichneten Mittagessen besuchten wir die pittoreske Stadt Český Krumlov (deutsch: Krumau an der Moldau). Krumau wird auf der ­Liste des UNESCO-Welterbes geführt.

Die Stadt liegt eingebettet in einer omegaförmigen Schleife der Moldau. Nachdem wir einige Zeit durch die mittelalterlichen Straßen spazierten machten wir Pause in einem Kaffeehaus, um uns aufzuwärmen, da uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte. Nicole, Kevin und Martin besuchten das wunderschöne Schloss aus dem 13. Jahrhundert, das über der Stadt thront. Der Blick vom Turm war auch bei Regen überaus imposant.

Beeindruckt vom Wohnort des Malers Egon Schiele fuhren wir wieder Richtung Grenze. Nach diesem netten Tag, bei einem letzten Stopp kurz vor Kaplice, vereinbarten wir bereits unser nächstes Treffen.

Da die Vereinsmitglieder des Vivarienvereins AUSTRIAN AQUANET in ganz Österreich verteilt sind, können wir leider keine regelmäßigen Vereinstreffen veranstalten, bei denen alle Mitglieder kommen können. Wir treffen uns zweimal pro Jahr. Bei diesen Zusammenkünften besichtigen wir, wie bei diesem Ausflug, Ziele mit aquaristischer / terraristischer Relevanz, oder wir treffen uns zu einem „Vortragstag“, bei dem wir Vortragende aus Österreich einladen. So kommt es, dass unser zweites Treffen am 19. Juli 2008 in Wien stattfindet. Dabei werden wir den neu errichteten „Megazoo“ besichtigen und anschließend besuchen wir Fu Long im Tiergarten Schönbrunn. Schon einmal im ältesten Tiergarten Österreichs, darf eine Führung hinter die Kulissen des Aquarienhauses natürlich nicht fehlen. Gäste sind dabei herzlich willkommen.

Das einzellige Wunder:

 

Pantoffeltierchen Paramecium caudatum

Heinz Bela

 

In diesem Artikel erfahren Sie
etwas über ein einzelliges Tier, das allen Aquarianern und den meisten Zierfischzüchtern
bekannt sein dürfte – und zwar handelt es sich um das Pantoffeltierchen,
welches auch als Paramecium caudatum bekannt ist. Es ist ein gutes
Erstfutter für viele kleine Jungfische, denen Artemia-Nauplien noch zu
groß sind.

Pantoffeltierchen werden,
neben Artemia-Nauplien, gerne von der Fischbrut als Futter angenommen.
Der Aquarianer mit Schauaquarien könnte dagegen aber schon einmal böse auf das
Tierchen werden, denn bei ungünstigen Verhältnissen in seinem Aquarium kann es
zu einer sprunghaften Vermehrung dieser Einzeller und somit zur Wassertrübung
kommen.

 

Mikroskopischer Bildausschnitt vom Pantoffeltierchen, Paramecium
caudatum, rechts im Bild die auffällige große Vakuole.

 

 

 

 

 

Protozoen

 

 

 

 

Pantoffeltierchen, die zusammenfassend
mit anderen Arten auch als Wimperntierchen oder Ciliaten bezeichnet werden,
gehören zu den Protozoen. Wimperntierchen werden sie deshalb genannt, weil ihr
Körper mit faden- oder härchenartigen Fortsätzen behaftet ist und sie sich
damit fortbewegen. Wie alle Protozoen besitzen die Wimperntierchen durchaus
einen relativ komplizierten Bau.

 

 

 

 

 

Imprägnierung von Zellorganellen mit Silbersalzen.

 

 

 

 

 

Die Körpergröße schwankt zwischen
180 und 300 µm (1 µm = 0,001 mm). Da sich die Pantoffeltierchen durch Teilung
fortpflanzen, ist es nachvollziehbar, dass unter ihnen Tiere unterschiedlicher
Größe anzutreffen sind. Der Körper kann als drehrund und monaxon bezeichnet
werden. Am vorderen Teil liegt die Mundöffnung. Da der Bereich mit dem Mund als
die Bauchseite bezeichnet wird, sprechen wir von der Bauch- und Rückenseite. Es
gibt unter den Wimperntieren auch abgeflachte Arten wie das Wannentierchen.

 

 

 

 

 

 

Paramecium caudatum, im mikroskopischen Übersichtsbild

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zelle

 

 

 

 

Wenden wir uns dem Zellkörper
etwas intensiver zu, der aus einer sehr dünnen, transparenten sowie zähen
Plasmaschicht besteht, die auch Ektoplasma genannt wird. Die dünnflüssige
innere Plasmamasse bezeichnet man als Entoplasma.

 

 

 

 

 

 

Das Pantoffeltierchen, Paramecium caudatum, im mikroskopischen Übersichtsbild.

 

 

 

 

 

 

 

Der Körper von Paramecium
caudatum
ist außen von einer feinen ektoplasmatischen Membran umgeben, die
als Pellicula bekannt ist und längliche, sechseckige Felder aufweist, die
grubenartige Versenkungen haben, aus denen die Wimpern.

 

 

 

 

 

 

 

Zellteilung, das Pantoffeltierchen teilt sich in zwei Geschwistertiere.

 

 

 

 

 

 

 

Wimpernschläge

 

 

 

 

 

Bleiben wir direkt bei den
Wimpern und wir werden auch gleich ins Staunen kommen, wenn wir lesen, dass
einige Wimperntierchen bis zu 25.000 Wimpern haben können, wogegen es unser Paramecium
caudatum
auf immerhin 2.500 Cilien oder Wimpern bringt. Die Frequenz der
Wimpern liegt bei etwa zehn bis elf Schlägen pro Sekunde. Diese Wimpern stehen
in Reihen parallel angeordnet und führen von vorne nach hinten.

 

 

 

 

 

 

Das Pantoffeltierchen teilt sich in zwei Geschwistertiere.

 

 

 

 

 

 

 

Der Wimpernschlag erfolgt stets
in einer Ebene und nur so, dass beim nach hinten gerichteten Wirkungsschlag die
Wimper gestreckt bleibt und sich nur am Grund bewegt. Bei der langsamen
Rückenschwingung bleibt die Wimper, um möglichst wenig Widerstand zu bieten, am
Körper angeschmiegt und die Aufrichtung arbeitet sich allmählich von der Basis
zur Spitze fort. Bei dieser Fortbewegung dreht sich das Pantoffeltierchen um
seine eigene Achse und sein Weg nimmt dadurch einen etwas spiraligen Verlauf.

 

 

 

 

 

 

 

Eine weitere Fortpflanzungsmöglichkeit ist die geschlechtliche Fortpflanzung oder besser Konjugation.

 

 

 

 

 

 

 

Diese Wimpernbewegung kommt durch
molekulare Wirkung zustande. Elektronenmikroskopisch wurde am Grund einer
Cilie, in der Grundsubstanz eingebettet, ein Kranz, bestehend aus neun
Doppelfibrillen, und im Mittelpunkt ein weiteres Fibrillenpaar nachgewiesen.
Bei Paramecium caudatum geht vom Basalkörper jeder Wimper eine
horizontal verlaufende Fibrille aus, wodurch sie dachziegelartig verdeckt oder
miteinander verschlungen sind. Sehr schön lassen sich Fibrillen und Basalkörper
durch Imprägnierung mit Silbersalzen, wie auf unserem Foto (links) zu sehen
ist, sichtbar machen. Wir nennen diese Linien auch Silberliniensystem. Die
Wimpern dienen aber nicht nur der Fortbewegung, sondern unter anderen auch als
Tastorgane und zum Einstrudeln der Nahrung.

 

 

 

 

 

 

 

Eine weitere Fortpflanzungsmöglichkeit ist die geschlechtliche Fortpflanzung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vakuolen

 

 

 

 

Zwei auffallende Bestandteile des
Zellkörpers unseres Paramecium sind die kontraktilen Vakuolen. Aufgabe dieser
pulsierenden Vakuolen ist zum einen die Osmose-Regulierung der
Körperflüssigkeit und zum zweiten das Ausscheiden wasserlöslicher Stoffe. In
den meisten Fällen ist die Salzkonzentration im Pantoffeltierchen höher als in
seiner Umgebung, weshalb durch ein weiteres Organ,  die Pellicula, Wasser aufgenommen wird, und dies
solange, bis dieses  Tierchen platzen
würde, was  aber durch das
Regulationsvermögen der Vakuolen verhindert wird. Die beiden pulsierenden
Vakuolen arbeiten im Gegentakt. Die Schnelligkeit, mit der die pulsierenden
Vakuolen arbeiten, hängt von dem Salzgehalt der Umgebung, der Temperatur sowie
dem Sauerstoffgehalt ab.

 

 

 

 

 

 

Das Ausstoßen unverdauter Reststoffe (Cyclose) erfolgt dadurch, dass sich die Vakuolen zur Zellaußenfläche hin öffnen.

 

 

 

 

 

 

 

Schauen wir uns aber kurz die
Arbeitsweise und den Aufbau einer solchen Vakuole an. Die Vakuole ist durch
einen Ausführungskanal und Exkretionsporus mit der äußeren Umgebung verbunden,
an deren äußeren Öffnung sieben bis zehn Kanäle kreisförmig, radial angeordnete
sind. Ich werde es so einfach wie möglich zu erklären versuchten:

 

 

 

 

 

Fangen wir beim Nephridialkanal
an, der in einer Ampulle zur Einspritzdüse in die kontraktile Vakuole mündet.
An den Nephridialkanal münden viele, den Zellkörper durchziehende
Nephridialtubuli, die aus dem Zellkörper alle auszuscheidenden Stoffe aufnehmen
und dem Hauptkanal (Nephridialkanal) zuführen. Die gesammelten Stoffe gehen nun
durch die Ampulle zum Einspritzkanal in die Vakuole. Wird nun durch den Einspritzkanal
die Vakuole gefüllt, so erweitert sich diese, während sich alle Radialkanäle
verengen und in Kontraktion befindet. Befinden sich die Vakuolen in
Kontraktion, ist die Vakuolenmembrane der, der Pellicual zugewandten, Seite
wellenförmig gefaltet, während die innere Seite der Zelle glatt ist. Um einen
Rückfluss der Flüssigkeit zu verhindern, werden die Nephridialtubuli
verschlossen. Werden dagegen die Radialkanäle gefüllt, wird durch überziehende
kontraktile Ellute der Einspritzkanal geschlossen. Bei maximaler Füllung wird
der Einspritzkanal verschlossen und zwischen Vakuole und Ausführkanal platzt
eine Verschlussmembran, die jeweils neu gebildet wird, dann entleert sich der
Vakuoleninhalt nach außen.

 

 

 

 

 

 

Teilung der Chromosomen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nahrungsaufnahme

 

 

 

 

Feste Nahrungsstoffe werden mit
Flüssigkeit in Nahrungsvakuolen eingeschlossen, dann zum Munde geführt, wo sich
schon eine von einem dünnen Häutchen umgebene Empfangsvakuole befindet, um
diese aufzunehmen. Die Nahrungsvakuole wandert dann ins Entoplasma ein und
strömt mit dem Plasma durch den Körper des Ciliaten.

 

 

 

 

Beim Transport der
Nahrungsvakuolen kann von einem kleinen und großen Kreislauf gesprochen werden.
Bei diesem Wanderzustand der Nahrung werden laufend Verdauungsfermente
zugesetzt, wodurch der Inhalt der Vakuolen sauer wird und etwa eine
Konzentration von 1/12n Salzsäure aufweist, sich während der weiteren Verdauung
aber bis in den alkalischen Bereich verändert. Die saure Phase ist dazu
bestimmt, noch lebende Nahrungspartikel abzutöten, wohingegen in der
alkalischen Phase die Eiweißverdauung und Resorption stattfindet. Anschließend
werden die unverdauten Reste aus dem Zellafter in die Umgebung ausgeschieden.
Von der Mundöffnung zum After sind feine Fäden gezogen, welche die
Nahrungsvakuolen durch die Plasmaströmung auf den vorbestimmten Weg pressen.
Dieser Schlundfadenapparat ist bei Strudlern in der Regel immer vorhanden. Ist
die Nahrungsvakuole auf der Fadenbahn am Hinterende angelangt, setzt die
Ausscheidung, die Cyclose, ein.

 

 

 

 

 

 

Teilung der Chromosomen. Die Lebensäußerungen der Pantoffeltierchen
sind komplexer, als der unbefangene Leser vielfach dachte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vermehrung

 

 

 

 

Nach dieser kurzen
Verdauungsbeschreibung wenden wir uns der Vermehrung zu. Im Zellkörper von Paramecium
befinden sich zwei Kerne, die sich vor allem in ihrer Größe unterscheiden,
wobei der größere Kern Macronucleus heißt und der kleinere dementsprechend
Micronucleus. Beide Kerne können bei unseren Ciliaten mehrfach auftreten, wobei
der Großkern polyploid ist, was bedeutet, dass er bis zu 5.000 Chromosomensätze
beinhalten kann. Dieser polyploide Zustand kommt dadurch zustande, dass sich
die Chromosomen innerhalb des Kernes teilen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Micronucleus oder Kleinkern
ist dagegen diploid und enthält die gesamte Erbinformation. Außerdem steuert
der Macronucleus sämtliche Stoffwechselvorgänge und es besteht zwischen Kern
und Plasma ein proportionales Verhältnis, wobei die Plasmamenge wahrscheinlich vom
Kern abhängig ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Teilung des Pantoffeltieres
selbst geht einem Teilungswachstums voraus, was besagt, dass die oberflächige
Zellschicht sich vergrößert – aber nicht überall gleichmäßig. Da sich unsere
Pantoffeltierchen einfach in der Mitte zu zwei Geschwistertieren teilen, bildet
sich an dieser Trennungsfurche eine besondere Wachstumsfurche aus.

 

 

 

 

Die nächste Teilung erfolgt
größtenteils; wenn beide Geschwister wieder ihre alte Größe erreicht haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Blick durch das Mikroskop

 

 

 

 

Wollen wir die Kerne betrachten,
geht dieses im lebenden Zustand, am bestem im Phasenkontrastmikroskop oder mit
der Interferenzmikroskopie. Im abgetöteten Zustand wird die Zelle eingefärbt;
diese Arbeitsweise wird auch bevorzugt angewendet. Welches Verfahren auch
genutzt wird, es ist sehr aufschlussreich, diese Phasen der Teilung zu
beobachten. Außerdem ist der Teilungsprozess sehr gut zu verfolgen, da er nur
wenige Minuten benötigt. Wer ein Mikroskop besitzt, sollte sich ruhig einmal
die Mühe machen, sich teilende Pantoffeltierchen beispielsweise mit
Carminessigsäure zu färben. Er wird selbst unter einem billigen
Kaufhausmikroskop die gefärbten Zellen erkennen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

„Geschlechtliche“
Fortpflanzung

 

 

 

 

Doch kommen wir zu einem weiteren
Zustand – und zwar zur Konjugation: Aufzufinden sind solche Konjugationsstadien
von Paramecium caudatum meist am Boden der Kulturflüssigkeit. Aufgrund
ihrer Trägheit sind sie sehr gut zu erkennen.

 

 

 

 

Sehen wir uns aber einmal die
Konjugationsphasen unserer Pantoffeltieren an: Sie besitzen ja gewöhnlich einen
Micronucleus. Zwei verschiedene Paarungstypen legen sich aneinander und
verschmelzen in der Mundregion miteinander. In sehr kurzer Zeit teilt sich der
Micronucleus zweimal, wobei der Chromosomensatz jeweils auf die Hälfte
reduziert wird und somit vier haploide Kerne entstehen. Anschließend gehen drei
der Kerne in jedem Tier zugrunde und der übrig gebliebene Kern teilt sich
nochmals, so dass in jedem Paramecium caudatum zwei haploide Kerne
vorhanden sind.

 

 

 

 

Nach dieser Kernteilungsphase
tritt nun in jedem Tier ein Kern über und verschmelzt sich mit dem verbliebenen
Kern. Sind diese Kernwanderung und Verschmelzung abgeschlossen, so trennen sich
die Tiere voneinander. Auch wurde während dieser Vorgänge der Macronucleus
aufgelöst und resorbiert. Er wird durch erneute Teilung des Stationärkernes neu
gebildet.

 

 

 

 

 

 

 

 

Unbekannte Aufgabe

 

 

 

 

Im letzten Abschnitt wenden wir
uns den Trichocysten zu. Es ist noch nicht genau bekannt, welche Aufgaben diese
Trichocysten haben, doch es ist davon auszugehen, dass sie bestimmt als
Verteidigungsorganellen dienen. Wenn man das Ausstoßen der Trichocysten unter
dem Mikroskop beobachtet, ähnelt es einem Sperrfeuer – Sie können sich
vorstellen, dass dieses den Zellen einen gewissen Schutz vor nachstellenden
Feinden geben. Wird ein Pantoffeltierchen gereizt, sei es elektrisch, chemisch
oder auch mechanisch, so treten die Trichocysten immer explosionsartig aus.

 

 

 

 

Da sich das Ausschleudern der
Trichocysten in Millisekunden abspielt, ist es sehr schwer, etwas über den
Auslösungsmechanismus auszusagen. Es wird angenommen, dass dieser durch einen
Quellvorgang zustande kommt. Die ca. 4.000 Trichocysten bei Paramecium bestehen
aus einem lang gestreckten Schaft und einer Spitze, an deren äußerem, distalem
Ende noch eine Kappe ausgebildet ist. Im ausgestreckten Zustand erreichen die
Trichocysten eine Länge von 20-30 µm.

 

 

 

 

Die Trichocysten werden in
Versikeln des Cytoplasmas gebildet. Dieses lässt sich nachvollziehen, wenn
durch einen Elektroschock die Trichocysten zur Explosion gebracht werden und
die Neubildung schrittweise untersucht wird.

 

 

 

 

In den Versikeln liegt eine
granuläre Masse vor. Im nächsten Schritt tritt ein elektronendichter
Kondensationskern auf, der sich immer mehr in der Länge streckt, was auf Kosten
der Grundsubstanz erfolgt. Schließlich wird auch noch die Spitze gebildet und
das Ganze sieht am Ende wie vor der Auslösung aus. Rätselhaft aber ist es auch
heute noch, wie die Trichocysten an der richtigen Stelle der Pellicula
verankert werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit

 

 

 

 

Hier möchte ich mit der Beschreibung
dieses kleinen Tierchens mit den imposanten Eigenschaften enden. Viel gäbe es
noch über diesen Einzeller zu berichten, wie über die Lebensweise, Vererbung,
Kreuzungsversuche… Machen Sie sich einmal die Mühe, ein solch kleines
Pantoffeltierchen zu beobachten.

 

 

 

 

Besonders schön lassen sich im
Polarisationsmikroskop die Nahrungspartikel farbig beobachten, wie sie mit dem
Plasma durch den Zellkörper strömen. Dieses einzellige Wesen, welches in der
Nahrungskette sowie als Saubermacher in unserer Welt unentbehrlich ist, ist es
bestimmt wert, etwas mehr Beachtung zu finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der ATInfo übernommen.