Rückwandbau

Alles begann mit einem Bericht in der ATA. Hier wurde ein Rückwandbau aus Kork beschrieben. Daraus entstand meine Idee, eine solche Dekoration selbst zu bauen. Als Rollstuhlfahrer mit leichten Schwierigkeiten verbunden. Mit Kork würde mir das Ganze zu flach werden, ich wollte etwas plastisches, darum entschied ich mich für 10 cm starkes Styropor mit den Maßen 50x100cm.
Fläche ausgemessen, die Anordnung der Platten überlegt und auf dem Boden ausgelegt. 8 Quadratmeter, ganz schön groß. Ich wollte eine Steinmauer nachbilden, so wie man sie von den alten Maya Ruinen her kennt.
Daher zeichnete ich mir die „Steine“ mit einem Stift vor und mit Säge, Stenlymesser, Schleifpapier und Heißluftföhn ging es zur Sache. Brauche, glaub ich, nicht zu erwähnen das der Raum und die ganze Wohnung danach mit einer weißen Schicht von Styroporkugeln überzogen war. Nach dem schneiden und schleifen wurde den Platten Struktur mit dem Heißluftföhn eingebrannt.
Es war soweit, jetzt konnten die Blumentöpfe ihren Platz finden. Nun war es an der Zeit das Ganze mit pigmentiertem Fliesekleber zu überziehen. Solche Pigmente bekommt man in Künstlerbedarfsläden. Drei Schichten. Platte für Platte damit der Untergrundauch wirklich gut durchgefärbt ist. Der abgemischte Fliesenkleber hatte die Konsistenz von „dünnem Brei“. Mit der 4 und letzten puddingähnlichen Schicht, wurden alle Platten auf einmal überzogen, um farbunterschiede zu vermeiden.
Die Steinfugen und einzelne Steine hab ich noch mit unterschiedlichen Fliesenkleberfarbtönen überzogen. Nach dem durchtrocknen wurde es unter mithilfe meines Schwagers an die Wand gebracht. Dabei erwies sich, das Nägel der Wand dem Styropor und dem Kleber einen zusätzlichen Halt gegen verrutschen geben. Die Platten sind durch den Überzug der Fliesenkleberschichten und den Blumentöpfen doch schwer geworden.
Die, durch das an die Wand kleben, entstandenen Fugen zwischen den Platten wurden mir, durch eine gute Freundin, wieder mit pigmentiertem Fliesenkleber verschlossen und geteilte Steine als ganzes nochmals überzogen. Fast fertig. Noch die Dekoration. In meinem Fall, getrocknete Lianen aus der Natur, Moose, Efeu, Tillanzien, Bromelien, Farne und Orchideen. Der Preis, Alles in Allem, rund 250 Euro, der Blickfang unbezahlbar.

Mineralische Dekorationen in Aquarien

Dr. Frank Mersch

 

 

Vorwort

Warum der Titel „mineralische Dekorationen“? Ganz einfach: Der Sand und die Steine im Becken bestehen aus den verschiedensten Mineralien. Oftmals haben wir Aquarianer ohne Probleme Sand, Kies und Steine im Becken. Aber manchmal gibt es Probleme. Meistens denkt man dann nicht mehr an den Sand oder den interessanten Stein. An dieser Stelle möchte ich einige Beispiele aus der Praxis aufzeigen, die zu Problemen geführt haben. Was ich aber nicht möchte, ist, alle Steine pauschal zu verdammen. Vielmehr soll hier das Bewusstsein geschärft werden, dass das alte Sprichwort „Steter Tropfen höhlt den Stein“ in Verbindung mit den falschen Steinen das Leben unser Tiere kosten kann. Das Thema wird immer wichtiger, da immer mehr empfindliche Arten gepflegt werden. In welchem Becken schwammen vor 20 Jahren Garnelen? Oder L46 Welse?

Aber jetzt bitte nicht sofort in Panik verfallen und alle Steine aus dem gut laufenden Becken entfernen. Es ist einfacher, bei der Einrichtung des Beckens mit wachen Sinnen auf die Dekoration zu schauen und im Zweifelsfall auch mal an die Steine zu denken.

Kies oder Sand?
Auf diese oftmals gestellte Frage möchte ich nicht eingehen. Viel wichtiger ist es, dass der Bodengrund den Tieren nicht schaden sollte. Die Angebotsbreite im Fachhandel reicht vom hellen, reinen Quarzsand, über gefärbte Sande, schwarze Spezialsande bis zu synthetischen Produkten. Viele Aquarianer wünschen sich einen dunklen Boden, der einen schönen Kontrast zu den Pflanzen und Fischen darstellt.
Aber wie kann ein Sand an sich schädlich sein? Es gibt zwei Möglichkeiten. Zum Ersten kann der Sand scharfkantig sein und somit die Tiere verletzten. Hier sind es meist Panzerwelse, deren Barteln durch die fortgesetzte Schädigung betroffen sind. Hier gibt es einen einfachen Test: Eine Prise des Sands wird auf den Handrücken gestreut und kräftig verrieben. Tritt eine deutliche Hautirritation oder eine Hautschädigung auf, ist der Sand für Aquarien auf jeden Fall nicht geeignet.
Des Weiteren besteht die Gefahr, dass der Sand etwas an das Wasser abgibt, die chemische Gefährdung. Diese Gefahr ist nicht immer so einfach zu erkennen. Falls etwas im Becken zu Beginn aus dem Ruder läuft, sind es nicht immer die Hauptverdächtigen, das Wasser und das Licht, sondern es kann auch tiefer liegen: Der Bodengrund. Leider ist die Chemie des Bodens mit einfachen Mitteln nicht leicht zu bestimmen. Deshalb habe ich in meinen Becken einfachen Spielsand, den der nette Bauunternehmer von nebenan geliefert hat. Wer Bedenken bezüglich irgendwelcher Zusätze hat, dem sei der Wasserflohtest empfohlen. Der Sand wird in einem Gefäß, zum Beispiel Einweckglas, mit Wasser aufgerührt. Parallel dazu wird ein Glas ohne Sand aufgestellt. In jedes Gefäß werden 10 Wasserflöhe gesetzt. Falls der Sand schädliche Zusätze enthält, sterben die Wasserflöhe innerhalb von Tagen. Diese Testmethode ist sogar teilweise Grundlage für die Einschätzung von Umweltgefahren von Stoffen.
Abb. 1: Flusssand unter dem Mikroskop. Deutlich sind durchsichtige Quarzkörner
und milchige Feldspate zu erkennen.
Aber wie ist das Vorbild, die Natur? Der Sand der meisten Flüsse ist hell gelb und besteht aus kleinen Quarzkörnern. Die Färbung stammt von geringen Mengen an Eisenoxiden, die sich in den Quarz fest und unlöslich eingebaut haben. Unter dem Mikroskop erkennt man schön gerundete Körner, ohne Kanten und Spitzen, Abbildung 1. Bei genauer Betrachtung erkennt man aber auch Unterschiede in den Körner. Es gibt milchig weiße Körnern, meist aus der Mineralgruppe der Feldspate und schwarze Körner, meist unlösliche eisenhaltige Mineralien.
Nun kommen aber oftmals Hilferufe: „In meinen Sand ist Metall!“ Die genauere Betrachtung gibt aber die Entwarnung, es ist kein Metall, sondern ungiftiger Glimmer, Abbildung 2. Auch hier besteht kein Grund zur Panik. Somit stellt der saubere Flusssand keine Gefahr dar.

Abb. 2: Glimmer, obwohl Glimmer weich und spaltbar ist, findet man ihn im Sand.
Dann erfolgt kurze Zeit später meist der zweite Hilferuf: „Das Wasser ist ganz dreckig!“ Dieser Nebel des Grauens stellt sich zu Beginn durch kleine Tonpartikel ein. Der Ton ist ein Verwitterungsprodukt des Feldspats und haftet, genau wie an den Schuhen, am Sand. Relativ kleine Mengen führen zu einer undurchsichtigen, trüben Brühe. Auch hier ist die Antwort: „Keine Panik!“ Im Gegenteil: Von einigen Teilnehmern des Düsseldorfer Stammtisches wurde ein vermehrtes Balzverhalten von Panzerwelsen und Schmerlen beobachtet, wenn neuer Sand ins Becken gebracht wurde. Möglicherweise ist dies in der Wildbahn ein Indikator für die einsetzende Regenzeit, die über die Niederschläge diese Trübstoffe einspült. Einige Firmen gehen so weit und bieten tonartige Suspensionen als Wasseraufbereiter an. Somit ist der Nebel des Grauens höchstens eine Herausforderung beim Einrichten eines Aquariums, das Dekorieren erfolgt im Blindflug.
Nach diesen ganzen Vorzügen des einfachen Flusssandes komme ich zu den Gefahren. Nicht immer ist der Sand ein natürlich gerundeter Sand. Teilweise wird auch Splitt, ein gebrochenes Material, als Sand eingesetzt. Im Bauwesen hat dieses Material teilweise Vorteile. Bei grobem Material erkennt man Splitt am Handrücken-Test. Bei sehr feinem Material wird der Handrücken nicht gereizt, eine Schädigung der Fische ist nicht zu erwarten. Ein typisches Beispiel für Splitt ist Basaltsand oder Basaltsplitt, Abbildung 3. Das Material ist dunkelgrau, kann sehr feinkörnig sein und ist chemisch unbedenklich. Somit ist es, Handrücken-Test vorausgesetzt, ein geeigneter dunkler Bodengrund.

Abb. 3: Feiner Basaltsplitt, die Kanten
sind so klein, dass Verletzungen nicht zu erwarten sind.

Jetzt kommt aber sowohl chemisch als auch mechanisch das Horrorkabinett: Das Material ist dunkel gefärbt und von einem unnatürlichen Glanz. Es gibt feineres und grobes Material. Der Handrücken-Test wurde von einer freundlichen Aquarianerin unfreiwillig durchgeführt. Nach der Probennahme bluteten die Finger! Unter dem Mikroskop wird deutlich, dass es sich um ein glasartiges Material, durchzogen von feinen Bläschen handelt, Abbildung 4. Die erste Analysenmethode, die Röntgenstrukturanalyse, ergab, dass es sich um ein Glas handelt. Die Frage ist nur, welche Art von Glas? Zwei unabhängige chemische Analysen, RFA und EDX, ergaben, dass es sich um ein eisenhaltiges Material mit einem gewissen Phosphorgehalt und Schwermetallen handelt. Es ist eine spezielle Form der Hochofenschlacke, die Glasschlacke. Auch Hinweise, es könnte sich um das natürliche Vulkanglas Obsidian handeln, konnten durch Vergleichsmessungen widerlegt werden. Auf Deponien wird Glasschlacke als Sondermüll angenommen! Vor diesem Sand kann ich nach derzeitigem Erkenntnisstand, auch in chemischer Hinsicht, nur warnen.

Abb. 4: Glasschlacke, ein Schrecken für die

Tiere, „mit höherer Vergrößerung aufgenommen“.

Um dem Wunsch nach dunklem Bodengrund nachzukommen, wird auch teilweise weißer Sand gefärbt, Abbildung 5. Das ist eigentlich unkritisch, wenn sorgfältig gearbeitet wird. Hier stelle ich ein Beispiel vor, bei dem dies nicht der Fall ist. Der weiße „Grundkörper“ wurde mit einem Kleber und einem schwarzen Pigment aus Eisenoxid und Manganoxid eingefärbt. So weit so gut. Allerdings zeigte das Aquarium beim Einfahren stets einen pH-Wert von über 10! Unter dem Rasterelektronenmikroskop (REM) fielen relativ kleine Verunreinigungen auf.

Abb.5: Gefärbter Sand.

Die chemische Analyse im REM mittels Röntgenspektroskopie (EDX) zeigte, dass es sich mit hoher Sicherheit um gebrannten oder gelöschten Kalk, CaO oder Ca(OH)2, handelt. Diese Calciumverbindung trieb den pH-Wert in die Höhe.

Abb. 6: REM-Aufnahme des gefärbten Sands. Der Pfeil weist auf die Verunreinigung durch CaO oder Ca(OH)2.

Neben diesen extrem aggressiven Calciumverbindungen besteht die Möglichkeit, dass auch Kalk, CaCO3, im Sand ist. Typisch ist das in Form von Muschelbruchstücken im Seesand. Die sind unschädlich, es sei denn, das Aquarium soll ein richtiges Weichwasser-Biotop werden. Aber auch hier gibt es einen einfachen Test. Etwas verdünnte Salzsäure (5 % bis 10 %) wird auf den Sand gegeben. Alles was als Carbonat vorliegt, schäumt dann auf. Mit etwas Spülmittel bleibt der Schaum erhalten und ist besser zu erkennen. Gips, der ebenfalls das Wasser aufhärtet, lässt sich so allerdings nicht nachweisen. Hier bleibt nur die Kontrolle der gH. Die sollte im Weichwasserbecken, zusammen mit der kH, eigentlich regelmäßig kontrolliert werden.
Fazit:
Sand ist nicht gleich Sand. Neben dem einfachen Handrücken-Test bleibt teilweise nur die Alternative, die Augen offen zu halten. Wo die Nachfrage nach dem Besonderen besteht, wird stets jemand versucht sein, diese Nachfrage mit – wirklich – allen Mitteln zu befriedigen. Allerdings sind die Angebote nicht immer zum Wohle unserer Lieblinge.
Mit freundlicher Genehmigung der
Redaktion der ATInfo und des Verfassers  übernommen.

ZEOLITH als PH Stabilisator

Hallo zusammen
Ohne dem eventuell zu erwartenden Bericht von Kekule
über Zeolith vorgreifen zu wollen, ich werde daher nicht allgemein
sondern nur auf die Faktoren zu sprechen kommen die mein AQ. betreffen.

Ich habe versucht mich als Nichtchemiker, so weit als möglich über dieses „Wundermineral“ schlau zu machen.

Ich denke ich bin bei meinem pers. Rätsel nämlich, was mir die bei mir
durch Tropftest nicht mehr nachweisbaren Härte, den PH Wert puffert,
einen wesentlichen Schritt näher gekommen.

Ich schreibe dies
nicht nur den event. im Bodengrund befindlichen Ionen, welche durch
Weichwasser, wie auch (dankenswerter Weise) von Viktor bereits
vermutet, in Lösung gehen könnten, sondern zum Großteil dem von mir
verwendeten Zeolith und den damit verbundenen Eigenschaften dieses
Minerals zu.

Warum dies so ist, wird euch sicher Kekule oder
ein anderes Forum Mitglied welches dafür wesentlich berufenerer als
ich, demnächst mitteilen.

Zum besseren Verständnis hier noch
einige für die Aquaristik positiven Eigenschaften von Zeolith, welche
ich aus einem anderen Bericht aus dem I-Net entnommen habe und einfach
eins zu eins hier reinstellen möchte.

Nachweis:
http://www.aquarium-bbs.de/filter/zeolith/zeolit40.htm

· eine hohe biologische Aktivität durch schnellen Besatz von speziellen Bakterien entwickeln.
· Stickstoffverbindungen permanent zu molekularen Luftstickstoff abbauen (Nitri-/Denitrifikation).

· organische Umsetzungsprodukte aus Pflanzen und Fischexkrementen
absorbieren, biologisch abbauen oder im Inneren des Gesteins binden.
· überschüssige Nährstoffe im micro- feinen Porengefüge speichern und so dort der Algenbildung entgegenwirken.
· giftige Abbauprodukte wie Schwefelwasserstoff, Kohlenmonoxid und andere Luftschadstoffe binden

Es stellen sich jedoch aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen leider bereits die nächsten Fragen.

Da sich Zeolith entgegen meiner bisher vertretenen Meinung nämlich,
dass es sich nicht erschöpft, nun doch das Gegenteil angenommen werden
dürfte und somit ab einen gewissen Zeitpunkt nur mehr als „normales“
biologisches Filtermedium wirkt, sollte man es dann und wann
regenerieren oder tauschen um bei Erschöpfung des Zeoliths nicht seine
speziellen Eigenschaften zu verlieren.

Dies kann meines Erachtens nur auf zwei Arten geschehen:

Erstens Tausch der halben sich im Filter befindlichen Menge, um nicht
die sicher zusätzlichen bereits angesiedelten Bakterien zu verlieren
und den Filter neu einfahren zu müssen, was jedoch den Nachteil bringt
auch nur die halbe Zeit zu haben, bis sich dass Zeolith erneut
Erschöpft.

Zweitens alles Zeollith zu tauschen mit der
Frage, was geschieht ohne den Bakterien, die ja das alte Material
besiedelten. Von der im Filter bef.. Watte zur Grobreinigung mal
abgesehen. Ich denke, dass der Nitritt Wert sicher vorübergehend
ansteigen würde.

Was mich noch beschäftigt ist: Wenn man
hinter der vorhandenen HMF Filtermatte ansaugt, müsste dies zur
Nitrifikation vollkommen ausreichen, da ich, was mich betrifft, jedoch
eine in der HMF Matte eingebaute Oberflächenabsaugung habe, trifft dies
nicht zu, somit ist die Zeolith Filterung ein eigener Kreislauf, dessen
Wasser vor der Matte entnommen wird, was wieder für Variante eins
sprechen würde. Durch die jedoch lange Lebensdauer der Zeolith
Eigenschaften und der Größe meines Filters gemessen an der Literanzahl
des Beckens, vermute ich eine Zeitdifferenz zwischen Variante eins und
zwei von ca. 3 Monaten bis zu erneuten Erschöpfung und scheint somit
akzeptabel..

Wie bin ich zu Zeolith gekommen.
Ganz
einfach im Zuge meines Gartenteichbau`s rein zufällig Ich habe dadurch
jede Menge an Zeolith für nahezu kein Geld, zur Verfügung.

Abschließend möchte ich noch bemerken:

Auf Grund meiner bisherigen Erfahrungen mit diesem Material und
gemessen an der Funktion in meinen zwei Becken, kann ich im
Wiederspruch zu vielen anderen Aquarianern bisher keine negativen
Eigenschaften feststellen.

Auch scheint das Zeolith die
gebundenen Stoffe und Schwermetalle nicht, wie von mir bereits
gefürchtet bei Erschöpfung, wieder abzugeben. Diese bleiben im Zeolith
gebunden. (Außer bei Regenerierung durch Salz)

Ich möchte
hiermit auch noch auf den sicherlich folgenden Bericht von Kekule
verweisen, der über dieses Thema kommen wird, sobald sein Uni Stress
nachlässt und von dem zu erwarten ist, dass er sicher unter fachlich
wesentlich kompetenteren Aspekten beleuchtet sein wird als ich es als
nicht- Chemiker imstande bin.

Gruß
Fritz

Futtertiere lagern und aufwerten

Heutzutage ist es kein Problem, Futtertiere jeglicher Art im Zoofachhandel zu kaufen. Ich möchte euch mit diesem Bericht meine Methode für das optimale Lagern und auch Aufwerten der Futtertiere näher bringen. Meine Methode ist hygienisch, aber vielleicht etwas aufwendig.

Vorteile:

  • keine Geruchsbelästigung;
  • ideal für die Wohnung;
  • mehrmalige Verwendung der Faunaboxen, die aufgrund ihrer Größe und ihres Designs platzsparend sind;
  • ideal für diejenigen unter euch, die nicht viele Futtertiere brauchen und auch wenig Platz haben.

 

Voraussetzung für diese Anwendung: man sollte sich natürlich nicht vor den Tieren ekeln, denn es kann sein, dass man diese auch mal mit bloßen Fingern anfassen muss!

Man benötigt dazu

  1. einen kleinen 1 l Plastik-Kübel (zB von Billa – in diesen bekommt man oft Maroni zu kaufen),
  2. Ein paar leere Faunaboxen (die, in die man die Tiere kauft),
  3. Küchenrolle,
  4. ev. eine lange Pinzette (wenn man die toten Tiere und Futterreste nicht mit den Fingern angreifen will)
  5. Futter (Gemüsereste, Obst, Fischfutter).

 

Da die gekauften Futtertiere nur Weizenkleie zu fressen bekommen, sind sie oft sehr einseitig ernährt worden. Da das Pulver der Weizenkleie zusätzlich noch Dreck verursacht, wird dieses mit meiner Methode entfernt und außerdem werden so tote Tier auch gleich mit aussortiert.

Anwendung für HEIMCHEN, GRILLEN, SCHOKOSCHABEN:

I)

Man öffnet die Heimchendose und schüttet die Tiere in den 1 l Kübel. Der Kübel hat den Vorteil, dass er für Heimchen, Grillen und Schokoschaben rutschige Wände besitzt (die Tiere können also nicht hinauskrabbeln). Gleichzeitig klopft man den Eierkarton auch im Kübel aus um etwaige daranhaftende Futtertiere ebenfalls in den Kübel zu befördern. Den Eierkarton (oft verschmutzt mit Kot) werfe ich immer weg. Natürlich könnt ihr diesen wieder verwenden oder einen neuen benutzen – wie ihr es lieber habt.

Ev. den Kübel abdecken, damit nix rausspringen kann und sich die Tiere derweil auch beruhigen können.

II)

Jetzt sortiert man mit einer Pinzette oder mit der Hand tote Tiere aus.

Tipp: wenn ihr das per Hand macht, krempelt die Ärmel hoch. So haben die springenden Heimchen weniger die Chance sich davon zu machen.

III)

Dann nimmt man eine der leeren Dosen zur Hand oder wäscht die Benutzte mit heißem Wasser aus.

IV)

Ein Blatt der Küchenrolle wird nun längs in zwei Hälften gerissen (dies spart Küchenrolle).

Tipp: am besten man reißt in der Seite ein, wo man das Blatt bereits von der Küchenrolle abgetrennt hat – ihr werdet sehen, das geht leichter als anders rum.

V)

Nun das halbierte Küchenrollenblatt in der Mitte falten (so hats die opimale Größe für die Faunabox) und in die Faunabox hineinlegen.

VI)

Jetzt folgt das Futter: das Meiste hat man automatisch immer zu Hause – küchenabfälle! Auf die Futtersorten für die einzelnen

Futtertiere werde ich weiter unten eingehen.

FUTTER: hier gibts als Menü Apfelstücke und Fisch-flockenfutter (immer dabei)

VII)

Jetzt den Deckel drauf, andrücken aber an einer Ecke offen lassen – so lässt er sich schön nach hinten biegen.

VIII)

Der kleine Kübel mit den Heimchen wird jetzt schräg zur “an einer Ecke geöffneten” Faunabox gehalten. Die Heimchen rutschen nun in die Box.

Vorsicht! Heimchen und Grillen springen ganz gut!

Tipp: alles schön langsam machen, damit sie sich nicht zu sehr erschrecken. Wenn die ersten Tiere hineinrutschen folgen die anderen schon freiwillig (sie sind gern unter sich) *ggg*

Achtung: aufpassen, dass möglichst wenig von der Weizenkleie in die präparierte Faunabox kommt – das wollen wir ja nicht.

IX)

Was tun, wenn einige Heimchen im Kübel zurückbleiben? Es kann schon mal passieren, dass einige den “Anschluss” verlieren und in der Weizenkleie Schutz suchen. Dann am Besten den Kübel nochmal hochkant stellen und schütteln oder klopfen, dann sofort wieder schräg zur Box. Diesmal muss es schnell gehen, denn die Heimchen erschrecken so, wissen in dem moment nicht wie ihnen geschieht und laufen/rutschen so zu den anderen in die Box. Ich weiß, das schlägt sich jetzt mit dem vorherigen Tipp “alles schön langsam machen” aber der Grund hierführ ist, dass sich ja nun weniger Heimchen im Kübel befinden als vorher. Natürlich muss man immer dabei aufpassen, dass nicht einige rausspringen. Das tun allerdings die wenigsten, denn gleichzeitig rutschen und springen geht nicht. *ggg*

X)

Mit dieser Methode teile ich auch gleich eine gekaufte Heimchendose auf zwei Faunaboxen auf. Desto weniger Heimchen in der Dose, desto weniger verletzten sie sich selbst.

XI)

Nach ca. 2 Tagen wird die Küchenrolle gewechselt und die Prozedur beginnt von vorne. In dem Fall wird die Küchenrolle wie der Eierkarton im Kübel ausgeschüttelt. Hierbei muss man auch aufpassen, dass alle Heimchen in den Kübel gelangen. Glaubt mir, man bekommt ganz schnell Übung darin und der Zeitaufwand hierfür ist gering. Ich benötige für das Ausmisten bzw. Umbetten von 6 Faunaboxen an Futtertiere gerade mal eine halbe Stunde.

FERTIG: so sieht das Ganze danach aus.

Anwendung für HEUSCHRECKEN:

Diese Tiere sind oft zu 20-igst in einer Dose eingepfercht. Dazu ist ebenfalls ein Eierkarton drin – keine Ahnung warum? Damit sie vielleicht nicht zu sehr springen?

Bei den Heuschrecken gehe ich ähnlich vor – nur dass ich den Kübel nicht benutze sondern sie in ihrer Dose belasse und nur den Eierkarton entferne. Heuschrecken springen zwar sind aber nicht so schnell. Außerdem findet man entlaufene Heuschrecken schnell wieder, da sie (im Gegensatz zu Heimchen) sich nicht verkriechen sondern immer irgendwo nach oben klettern. Man könnte aber auch einen großen 10 l kübel verwenden, vorausgesetzt man hat die Tiere im auge (oder einen Deckel drauf), weil heuschrecken können ohne weiteres ganz gut glatte Wände hochklettern. *ggg*

Also Punkt II) bis VII) genauso wie oben befolgen.

Jetzt nehme ich die Heuschrecken händisch einzeln aus der alten Dose und überführe sie in die frischen, mit Futter gefüllten Dosen. Auch hier teile ich die Menge an Tieren wie folgt auf:

Kleine bis mittlere Heuschrecken: 5 bis max. 7 stk. pro Dose.

Adulte (also die mit Flügel): max. 3 stk. pro Dose.

Sie haben so genug Platz – vor allem für die häutungen.

Punkt XI) befolgen oder einfach Futter nachfüllen bis man den Eindruck hat, dass es zu dreckig ist, dann ausmisten.

Hier die subadulten Heuschrecken – aufgeteilt zu 5 stk./Dose mit Gras und Salat als Futter.

Anwendung für Mehlwürmer:

Für Mehlwürmer brauch ich nur eine frische Faunabox und ein altes, möglichst großes Küchensieb. Mehlwürmer nun aufs Sieb und schütteln, so siebt man den Kot und andere Reste (Häutungsreste) aus. Gröbere Teile kann man per Hand entfernen. Mehlwürmer nun in die frische Box geben und mit Fisch-Flockenfutter bestreuen (ca. 3 gehäufte Esslöffen können es schon sein). Nach ca. 3 Tagen kann man wieder aussieben und neu füttern. Je nach dem wie oft man “ausmistet” desto geringer ist die Geruchsbelästigung.

Was füttert man nun den Tieren?

FUTTERSORTEN:

FUTTER für HEIMCHEN, GRILLEN und SCHABEN:

    • Fisch-Flockenfutter (ich verwende TetraMin) ist hierfür bestens geeignet. Man kann auch Granulat verwenden. Ich habe viele Futtersorten probiert und muss sagen, Flockenfutter wird am liebsten genommen.Die Heimchen könnte man auch ausschließlich mit Flockenfutter füttern aber um deren Wasserbedarf auch zu stillen, ist Gemüse oder Obst als Zusatznahrung eine gute Ergänzung.

 

    • Küchenabfälle wie Karottenschalen, Erdäpfelschalen (roh oder auch gekocht), Suppengrün, Paprikastückchen, alles was beim Gemüseschneiden so anfällt und wir nicht essen.

 

  • Obst wie Apfelstücke, Banane (die komische kleine Spitze, das eh keiner isst *ggg* oder die Fäden), usw – seid kreativ.

 

Tipp: bei Feuchtfutter (also Obst und Gemüse) öfter die Faunaboxen kontrollieren und gegebenfalls Verschimmeltes entfernen.

Und: Obst und Gemüse immer gut waschen!

Achtung: ich scheine durch diese Methode die Heimchen besonders gut zu füttern. Sie werden viel flinker!!!

FUTTER für HEUSCHRECKEN:

    • Gras (vor allem das dickere “Katzengras”) und Klee von der Wiese (wenn man die Möglichkeit hat),

 

    • Sonstige Kräuter von der Wiese (zB Schafgabe, Gänseblümchen, Brennessel, …),

 

    • Karotten, Erdäpfelschalen, Salat, Weißkraut, usw.,

 

  • Paprika, Apfelstücke oder -schalen, usw.

 

FUTTER für MEHLWÜRMER:

    • Flockenfutter,

 

    • Paprika (hat den Vorteil, dass die Würmer sie abnagen und man dann die vertrocknete Schale einfach entfernen kann und nix klumpig wird),

 

    • Karottenstücke oder -schalen.

 

Vielleicht ist das auf den ersten Blick viel Aufwand, aber ich bin der Meinung, dass auch die Futtertiere einen schönen Lebensabend haben sollen und desto besser sie gefüttert werden, desto gehaltvoller sind sie für unsere Haustiere an die sie schlussendlich verfüttert werden.

Außerdem sind Futtertiere auch nicht gerade billig. Wenn man etwas Zeit investiert, hat man kaum Verluste. Bei mir sterben bei 20 subadulten Heuschrecken durchschnittl. 3. Der Rest hält sich oft bis zur Adulthäutung!

Auch die Mehlwürmer halten sich bei mir so über Monate – bis sich die Käfer entwickelt haben und ich auch diese verfüttern kann. Mehlwürmer kann man auch im Kühlschrank aufbewahren, aber das ist nicht jedermanns Sache.

Die Heimchen fühlen sich bei mir so wohl, dass sie unter der Küchenrolle laufend Eier legen – hab mir aber nie die Mühe gemacht, sie so zu lagern, dass welche schlüpfen. Das ist selbst mir zu aufwendig.

Außerdem könnt ihr beobachten, wie gierig sich Heuschrecken zB auf die angebotenen Grashalme stürzen – mit Vorderbeinpaar werden die Halme festgehalten und dann wird “geknabbert”. Sie scheinen richtig glücklich, mal was anderes zwischen die “Zähne” zu bekommen als die staubtrockene Weizenkleie. *ggg*

Noch ein paar Tipps:

    • Lagert die Dosen erhöht (also am besten irgendwo auf einem Kasten und stellt einen Blumentopf davor. So erschrecken die Tiere nicht so häufig, wenn man an ihnen vorbei geht. Denn wenn Heuschrecken in den Plastikdosen hochhüpfen, macht das auch ganz schön Lärm.

 

    • Im Winter möglichst in der warmen Wohnung lagern und nicht zu dunkel.

 

    • Männl. Heimchen zuerst verfüttern oder ihnen die Flügel stutzen (ok, kling schlimm – tut ihnen aber nicht weh, sie balzen mittels Klopfgeräusche eh weiter und das kann bei einem guten Gehör, wie das meinige, auch nerven) – außer ihr mögt das zierpende Geräusch.

 

    • Mehlwürmer besser offen lagern, damit sich kein Kondenswasser bildet – keine Angst, die kriechen nicht raus. Die Puppen und fertigen Käfer kann man dann wieder in eine eigene Faunabox überführen.

 

  • Wendet die Kübelmethode am Besten in der Küche beim Waschbecken oder einem großen offenen Raum an und entfernt jegliche Dinge auf den Oberflächen, damit ihr zB entflohene Heimchen schneller fangen und finden könnt.

 

Eine Anmerkung noch: Heuschrecken, die so gefüttert werden, “kotzen” gern zur Verteidigung! Also erschreckt euch nicht, wenn sie beim Herausnehmen eine dunkle Flüssigkeit am Maul produzieren. Es ist völlig harmlos.

Dazu gibts eine witzige Geschichte, aber die erzähle ich ein andermal.

*ggg*

So, ich glaube ich habe alles gesagt.

Also, ich hoffe, ich konnte euch ein paar Tipps geben und fallst ihr fragen habt, scheut euch nicht, sie zu stellen.

Lg Melanie Kramer (alias BlueHawk)

Artemia schalen entfernen

Hallo,

Trotz sorgfaeltiger Trennung der geschluepften Artemianauplien von den Schalen koennen sich (wie in meinem Fall bei einem Betta splendens) eine ganze Menge Schalen im Fischdarm ansammeln.

Laut Tieraerztin kommt es normalerweise erst zu soetwas, wenn die Darmtaetigkeit (z.B. aufgrund von Darmparasiten oder Krankheit) schon etwas beeintraechtigt ist, oder bei sehr kleinen Fischen.
Sie weist aber eindringlich darauf hin, dass man nicht vorsichtig genug sein kann!

 

Ich moechte hier eine Methode vorstellen, wie man schnell und einfach die harten Schalen vor dem Bebrueten ent fernen kann.
Auch die Schlupfrate wird dabei erhoeht, da die Nauplien nur mehr aus der weichen Eihuelle schluepfen muessen, die sich darunter befindet.

1. Die Zutaten:

 

1.. Artemiaeier
2.. 30-40g Salz
3.. Marmeladenglas
4. Artemiasieb
5.. Deckel einer alten Butterdose, Gervais- oder Exquisa-Dose passt auch
6.. Luftsprudler & Pumpe
7.. Essig
8.. Chlorbleiche 5%, ohne Zusaetze
9.. 1L Pet-Flasche

2. Das Entkapseln:

Ins Marmeladenglas kommen ca. 100ml (habs nicht abgemessen) Chlorbleiche rein, und dazu die uebliche Dosis Artemiaeier (z.b. 1-2 Dosierloeffelchen).

Dann wird etwa 2 minutenlang kraeftig geschuettelt (vorsicht, dass der deckel schliesst, sonst gibts flecken), waehrend dieser zeit sieht man, wie die Bruehe langsam orange wird, und man irgendwann keine originaleier mehr sieht.

 

3. Das Neutralisieren, Spuelen und zum Schlupf ansetzen:

Nun wird der Inhalt des Marmeladenglases uebers Artemiasieb geleert. Das Sieb mit den entkapselten Artemia wirdnun in die Dose reingestellt, in der bereits ein halber fingerhoch (oder so) Essig vorgelegt wurde, und das ganze bisschen geschwenkt (Vorsicht, die Daempfe sind toxisch, nicht direkt einatmen!!). Dann wird das Sieb mit den Artemia unterm fliessenden Wasser gespuelt. Der Inhalt des Siebs wird nun mit dem Wasserhahn in die Pet-Flasche eingespuelt, aufgefuellt und das Salz zugegeben. Eventuelle Bleichreste eliminieren sich selbst ueber die naechsten Stunden.

 

4. Brueten und Ernten:

Die vorhergehenden Schritte dauern ca. 3min, wenn man alles bei der Hand hat.
In die Flasche kommt jetzt wie gewohnt der Luftsprudler rein, und je nach Guete und Temperatur kann man die geschluepften Nauplien nach 12-72h abernten (Sprudler raus, paar Minuten warten, und dann sieht man, ob schon was geschluepft ist). Das geht nun sehr einfach: der Flascheninhalt wird einfach uebers Sieb geleert und mit Leitungswasser gespuelt.

Viel Spass, und nachdem das soo einfach und schnell geht: bitte nicht vergessen, dass das einem moeglichen Darmverschluss vorbeugt.

lg
niki

 

Venezolanischer Schmetterlingsbuntbarsch, Mikrogeophagus ramirezi

Venezolanischer
Schmetterlingsbuntbarsch

Mikrogeophagus ramirezi

(Myers &
Harry, 1948)
Heinrich
Stöllnberger
Verein Steyr

Als Glücksgriff entpuppte sich der Erwerb eines Schmetterlingsbuntbarschpärchen. Schon ihr Verhalten im Händlerbecken durch die Absonderung von ihren Artgenossen und die konsequente Verteidigung eines kleinen Bereiches in der Nähe des Heizstabes, deutete auf eine künftige Liebesbeziehung hin.

Ihre ursprüngliche Heimat ist Venezuela und Kolumbien. Sie halten sich dort vorzugsweise in Uferzonen kleinerer Bäche mit vielen Versteckmöglichkeiten und sehr weichem Wasser auf Zuhause angekommen wollte ichihnen annähernd gleiche Bedingungen schaffen. Es wurde ein flaches, 30 Liter fassendes Becken mit Quarzsand als Bodengrund eingerichtet. Eine flache Steinplatte und ein Busch Javafarn sollte die Einrichtung vervollständigen. Ins Becken füllte ich eine Mischung von 1:1 aus abgestandenem, mit Torf angereichertem Regenwasser und Leitungswasser. Dieses Gemisch ergab eine dGH von 6  und einen pH-Wert von 6.5. Die Wassertemperatur betrug 27 °C. Anscheinend gute Verhältnisse für meine Buntbarsche, die sich zwar anfangs versteckten, doch schon abends begann das Weibchen die Steinplatte zu begutachten und zu säubern.

 
 © Foto: H. Stöllnberger

 

Der Venezolanische Schmetterlingsbuntbarsch, Mikrogeophagus ramirezi,
ist ein äußerst sensibler Fisch, der schnell krank wird und eingeht,
wenn ihm nicht optimale Aquarien-Bedingungen geboten werden.
Im Bild ein brutführendes Männchen

 

 

Die Geschlechter ließen sich gut unterscheiden. Das Männchen erkannte man an dem lang ausgezogenen zweiten Rückenflossenstrahl und einer prächtigen Rotfärbung am Kopfbereich, sowie im Rücken- Brust- u. Afterflossenbereich. Die Brust gefiel mit pastellfarbigem Gelb. In der Körpermitte prangte ein schwarzer ovaler Fleck. Die roten Augen waren seeräuberisch mit einer senkrechten schwarzen Binde sichelförmig durchzogen. Die hintere Körperhälfte hatte eine blassblaue Grundfärbung und darüber leuchtend hellblaue Punkte bis in die Schwanzflosse gestreut. Das Weibchen wirkte etwas kleiner, hatte zusätzlich einen purpurroten fülligen Bauch mit bereits ausgeprägter Legeröhre, mit der sie langsam über die Steinplatte streifte und dabei ein Ei nach dem anderen ablegte. Anschließend schwamm das Männchen knapp über das Gelege und befruchtete die Eier. So ging das ca. eine halbe Stunde, bis der Eiervorrat des Weibchens erschöpft war. Das Gelege wurde abwechselnd mit den Flossen befächelt um den Eiern Frischwasser zuzuführen. Nach einem Tag sah ich, dass einige der anfangs glasklaren, 1 mm großen Eier weiß wurden und später auch alle anderen Eier verpilzten. Die Enttäuschung war groß, ich führte den Verlust auf das frisch eingerichtete, noch nicht eingefahrene Becken zurück. Jetzt galt es die Elterntiere mit kräftigem Futter zu versorgen.

In den nächsten Tagen wurden aufgetaute Mückenlarven und Wasserflöhe verfüttert, was die Schmetterlingsbuntbarsche mit kräftigen Farben dankten. Zu meinem Erstaunen zeigte das Weibchen schon nach 11 Tagen wieder ihre Laichbereitschaft mit einer fülligen Bauchgegend. Einen Tag später fand ich wieder ein prächtiges Gelege von ca. 3 cm Durchmesser am Rand der Steinplatte. Das Männchen wachte als stolzer Vater darüber. Dagegen übernahm das Weibchen die Revierverteidigung, denn im nebenstehenden Becken schwammen einige Salmler. Jetzt entschloss ich mich ein antibakterielles Mittel zu verwenden. Eine 0,1-prozentige Trypaflavinlösung half mir das Gelege zu retten. Nach 3 Tagen schlüpften die Larven und zappelten an Fäden hängend im Gelege herum. Das Männchen sorgte mit seinen Flossen für Frischwasserzufuhr.

 
 


© Foto: H. Stöllnberger
Mikrogeophagus ramirezi sind Offenbrüter, d. h. sie laichen entweder
auf Steinen, in einer Laichmulde am Boden oder auf einer
flachen waagrechten Stelle ab. Die Brutpflege wird oft von beiden
Elterntieren betrieben. Wenn das Pärchen nicht harmoniert, übernimmt dann das
Männchen die alleinige Brutpflege, wie das Bild zeigt.

Nach weiteren 2 Tagen kam Leben in die Kinderstube. Manche Fischbabys purzelten kopfüber den Rand der Steinplatte hinab in den Sand. Dem aufmerksamen Vater entging das nicht, er saugte seine Babys ins Maul und spuckte sie wieder ins Gelege zurück. Später waren es zu viele Jungfische, die das Weite suchten, und so sammelte er sie nur mehr abends zur Nachtruhe ein.

Das Weibchen spielte bei der Brutpflege keine entscheidende Rolle, sie kümmerte sich praktisch nicht um den Nachwuchs. 2 Tage nach dem Schlüpfen entwickelten sich die Augen der Jungfische. Noch tollpatschig durch den überdimensionalen Dottersack schwirrten sie durch die Gegend und fielen am Boden angekommen, in eine Schräglage zurück. 5 Tage nach dem Schlupf schwammen die winzigen Jungfische frei. Das Männchen hatte große Mühe den Schwarm von ca. 100 Fischbabys zusammenzuhalten. Jetzt half auch das Weibchen beim Einsammeln mit. Nun begann ich mit der Fütterung von feinem aufgetautem Teichfutter. Ab dem 8. Tag nahmen die Kleinen bereits frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien.

Am 12. Tag fiel mir ein dramatisches Schwinden der Jungfische auf. Aufgeregt und aufmerksam kümmerte sich das Männchen um den verbliebenen Rest, verjagte das Weibchen, das vermutlich durch die erneute Laichbereitschaft sich an den Jungen vergriff. Daraufhin übersiedelte ich das Weibchen kurzerhand in ein mit Neonsalmlern besetztes Aquarium.

 
© Foto: J. Ohlinger

Nahe verwandt und sehr ähnlich zu Mikrogeophagus ramirezi ist der
Bolivianische Schmetterlingsbuntbarsch, Mikrogeophagus altispinosus,
der im Mamoré- und Guaporé-System vorkommt.

Als die kleinen Schmetterlingsbuntbarsche 3 Wochen alt waren, ließ die Brutpflege des Männchens schon etwas nach. Die Jungen gingen schon alleine auf Futtersuche. Sie wuchsen relativ rasch, mit 1,5 cm Länge wurden sie in ein 60 Liter fassendes Becken überstellt und schon nach knapp einem halben Jahr waren sie geschlechtsreif und hatten eine Länge von 4 cm. Das Elternpaar bescherte mir noch zahlreiche Mikrogeophagus ramirezi. Die herrlichen Südamerikaner fanden viele neue Liebhaber und ich hoffe, dass so mancher Aquarianer einen Versuch wagt und einen Teil zur Arterhaltung beitragen kann.

Mit freundlicher Genehmigung der
Redaktion der ATInfo und des Verfassers  übernommen
.

Der Nigeria Prachtkärpfling, Fundulopanchax gardneri nigerianus (Clausen, 1963)

 

Heinz Bela

 

 

Verbreitung und Biotop

Die Heimat unserer Kärpflinge ist Südwest-Nigeria bis West Kamerun. Dort leben sie in verkrauteten Gewässern mit Verstecken und Mulm.

Beschreibung

Die Grundfarbe unserer Fundulopanchax gardneri nigerianus ist ein kräftiges Blau, manchmal auch mit türkisgrünem Einschlag, das zur Bauchseite hin heller wird. Auf beiden Körperseiten befinden sich unregelmäßige, intensiv rote Punkte. Der Rücken weist einen gelb bis bräunlichen Farbton auf. Am Kopf verdichten sich die roten Punkte zu Strichen. Das Auge wird durch eine goldene Iris gekennzeichnet. In der After-, Rücken- und Schwanzflosse verläuft ein mehr oder weniger kräftiges rotes Band sowie ein breiter gelber bis orangefarbener Saum, der bis in die Flossenspitzen der Schwanzflosse ausläuft.

Untereinander sind die Männchen von Fundulopanchax gardneri nigerianus häufig aggressiv, daher sollte entweder nur eines oder eine größere Anzahl von Männchen gehalten werden.

Die Weibchen dagegen besitzen einen braunen Grundton, welcher mit wenigen blassenroten Punkten bestückt ist.

Nebenbei bemerkt: Es wurde im Jahr 1979 von H. F. Souza in Hawaii ein Vollalbino gezüchtet, der auch einen bestimmten Reiz aufweist.

Auch nicht laichbereite Weibchen von Fundulopanchax gardneri nigerianus können von den Männchen attackiert werden, darum sollte man immer mehrere Weibchen gemeinsam mit den Männchen pflegen.

Haltung und Zucht

Wollen wir mehrere Paare von Fundulopanchax gardneri nigerianus in einem Aquarium pflegen, sollte es etwa 50 cm lang sein und gefüllt mit einem mittelharten Wasser, bei einem neutralen pH-Wert und einer Temperatur von etwa 23 °C. Der Bodengrund sollte aus Sand bestehen. Eine üppige Bepflanzung mit freiem Schwimmraum ist empfehlenswert. Wichtig sind auch Versteckmöglichkeiten für nicht laichreife Weibchen sowie unterlegene Männchen. Leider wird den schwächeren Männchen vom dominanten Männchen nachgestellt, was soweit führt, dass diese kleiner bleiben, ihre Schwanzflossenspitzen verlieren und die Farbe verblasst.

Trotz der Versteckmöglichkeiten zeigen sich unsere Fundulopanchax gardneri nigerianus sehr gerne, so dass man auf ihren Anblick nicht verzichten braucht. Besser ist es, sie in einem Artenbecken mit konformen Killifischen unterzubringen.

Fütterung

Gefressen wird im Grunde alles, Mückenlarven gefroren oder lebend, Cyclops , Wasserflöhe, Würmer aller Art, Rinderherz und sogar Trockenfutter. Wollen wir Nachkommen erzielen, sollten wir Würmer füttern. Aber nur einmal, höchsten zweimal in der Woche, um einer Verfettung besonders der Hoden und Eierstöcke vorzubeugen. Um gute Zuchttiere oder Nachzuchten zu erhalten, müssen wir abwechslungsreich füttern.

Bei der Nachzucht, die relativ leicht zu erzielen ist, gehen wir folgendermaßen vor: Man nehme ein fünf bis zehn Liter fassendes Becken, bringe die gleichen Wasserverhältnisse wie im Hälterungsaquarium ein. Zusätzlich werden Versteckmöglichkeiten in Form von Kokusnussschalenhälften, Moorkienwurzeln und Pflanzen eingebracht. Als Ablaichsubstrat bringen wir zwei Handvoll Fasertorf ein. Als Filterung dient ein kleiner Innenfilter mit einer Schaumstoffpatrone, die das Wasser klar hält und für den nötigen Sauerstoff sorgt. Haben wir unsere Zuchttiere vor dem Ansatz eine Woche nach Geschlecht getrennt und abwechslungsreich gefüttert, wird das Liebesspiel alsbald einsetzen. Fühlen sich unsere Kärpflinge wohl, werden wir bemerken, dass nach einer gewissen Eingewöhnungszeit das Männchen, wenn es seine Auserwählte erblickt, mit gespreizten Flossen und in seinen schönsten Farben leuchtend, das Weibchen umtanzt, um ihm zu imponieren. Es umtänzelt sein Weibchen immer wieder und versucht, es zum Laichplatz zu locken. Ist auch das Weibchen bereit, für Nachkommen zu sorgen, so folgt es dem Männchen bereitwillig.

Dichte Bepflanzung und dunkler Bodengrund (Torf- oder Mulmschicht) sind von Vorteil. Einige Versteckmöglichkeiten sowie gedämpfte Beleuchtung und Schwimmpflanzen sorgen für das Wohlbefinden der Fische.

Sind beide am Ablaichsubstrat angekommen, schmiegen sie sich eng aneinander und ihre Körper bilden eine s-Form und unter zitternden Bewegungen werden Eier und Spermien in den Fasertorf geschleudert. Einige Sekunden später lösen sich die beiden leicht benommen voneinander und jeder schwimmt wieder seines Weges. So geht es weiter, bis der Eivorrat des Weibchens erschöpft ist. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Geschlechter zu trennen oder das abgelaichte Weibchen durch ein laichreifes Weibchen, oder mehrere, zu ersetzen. Nach einigen Tagen sollte man den Fasertorf aus dem Becken entfernen, um ihn auf Laichkörner zu untersuchen. Da die Eier sehr hartschalig sind, braucht man keine Angst zu haben, dass sie zerquetscht werden. Haben wir einige Laichkörner entdeckt, wird der Torf leicht ausgedrückt, um überflüssiges Wasser zu entfernen. Haben wir das bewerkstelligt, schütten wir vorsichtig den leicht angetrockneten Torf in einen Plastikbeutel. Einen Vorteil hat das Trockenlegen des Torfes nämlich, dass beim Aufgießen desselben fast alle Jungfische gleichzeitig schlüpfen.

Nach etwa zwei bis drei Wochen kontrollieren wir einige Laichkörner, ob die Embryos entwickelt sind, dies ist am vollentwickelten Auge erkennbar. Da die Eihaut sehr klar und lichtdurchlässig ist, werden wir mit der Kontrolle keine Probleme haben. Sind die Embryos nun voll entwickelt, überführen wir den Torf in ein kleines Becken und füllen das Becken zur Hälfte mit Leitungswasser. Schon nach etwa einer halben Stunde werden wir einige Jungfische erkennen. Am nächsten Tag überführen wir die Jungfische in ein Aufzuchtbecken mit gleicher Wasserqualität.

Nun beginnt die Fütterung mit Salinenkrebs-Nauplien. An ihren dicken rötlichen Bäuchen werden wir erkennen, dass sie großen Appetit haben. Ein guter Rat sollte noch erlaubt sein: Lieber viermal täglich wenig füttern, als einmal und zuviel. Sterben die Salinenkrebs-Nauplien im Aquarium ab, verschlechtert sich die Wasserqualität und die Sauerstoffkonzentration nimmt rapide ab und die gesamte Brut ist in Gefahr zu Sterben und das wollen wir ja nicht!

Nach einer bis zwei Wochen können wir schon Cyclops und Wasserflöhe reichen. Trotzdem sollte man weiterhin Salinenkrebs-Nauplien verfüttern, um Nachzügler im Wachstum auch satt zu bekommen. Das weitere Futter richtet sich nach der Größe des Fischmaules. Hat man nach zwei Monaten einen Schwarm dieser farblich wunderschönen Fische selber groß gezogen, werden wir wissen, dass sich die Mühe gelohnt hat. Will man Männchen mit lang ausgezogenen Spitzen erhalten, ist es sinnvoll, sie paarweise aufzuziehen.


Unter dem Mikroskop kann man auch die filigranen Strukturen der Flossenstrahlen von Fundulopanchax gardneri nigerianus studieren.

 

 

Sonstiges

 

 

Da die Laichkörner von Fundulopanchax gardneri nigerianus sehr durchsichtig sind, können Sie, falls Sie eine Lupe, oder besser noch ein Mikroskop haben, das Wunder eines entstehenden Lebewesens beobachten. Zu diesem Zweck sind gleich nach dem Ablaichen einige Eier aus dem Torf abzuglauben und auf einen Objektträger mit etwas Wasser zu überführen. Noch besser ist es, wenn ein Objektträger mit einer Vertiefung verwendet wird, damit das Ei nicht zu Schaden kommt. Möglich ist es auch, kleine Wachsfüßchen unters Deckglas zu setzen, um den Laich vor dem Erdrücken zu schützen.

Zuerst werden wir, falls wir schnell genug waren, die Bildung der ersten Zelle erkennen. Je nach Art folgen in unterschiedlichen Abständen weitere Zellteilungen, bis der Dotter vollkommen umschlossen ist. Geben wir unseren Laichkörnern ein paar Tage Ruhe, können sie weiter beobachtet werden, wie sich dieser Zellhaufen zum fertigen Embryo entwickelt. Wir werden erkennen, wie sich das Auge entwickelt, die Arterien sich ausbilden, irgendwann das Herz anfängt zu schlagen und wie es einzelne Blutplättchen durch das System treibt.

Alle paar Tage werden wir neue Dinge entdecken. Es ist eine Faszination, die ersten Momente im Leben eines Fisches miterleben zu können. Es ist ein Wunder, an dem man teilnehmen kann.

Fotos: © Heinz Bela

© „ATInfo“ 12/2007

Der Prachtkärpfling „Kap Lopez“, Aphyosemion australe Rachow, 1921

Der
Prachtkärpfling „Kap Lopez“,  Aphyosemion
australe
Rachow, 1921

von Heinz Bela

 

 

 

Verbreitung und Biotop
Den Aphyosemion australe nennt man auch „Kap Lopez“, nach dem Fanggebiet Kap Lopez, dem heutigen Port Gentil, westlich von Gabun. Konkret ist dieser Killi von Nord Gabun bis in die südlichste Volksrepublik Kongo verbreitet, wobei die Mündung des Zaires die südlichste Grenze darstellt. In dieser Region ist diese Art in Küstennähe bis ca. 20 Kilometer ins Landesinnere zu finden, meist in langsam fließenden verkrauteten Gewässern mit Mulm.

Beschreibung

Je nach Stimmung und Wohlbefinden weist unser Aquariumstamm eine hellbraune bis fast schwarze Grundfarbe auf. Besonders im Vorderteil und zum Schwanz hin auslaufend glänzen die Seiten, je nach Lichteinfall, in unterschiedlichen metallischen blauen Farbtönen. Der gesamte Körper ist mit unterschiedlich großen roten Punkten übersät, die dann in der Kopfregion in Streifen übergehen. Auch die Rücken- und Schwanzflossen sind rot gepunktet, wo jedoch innen ein rotes und außen ein orangenes Band verläuft.

Besonders schön zu betrachten sind die bis zu 2 cm langen weiß ausgezogenen Spitzen an den Schwanzflossen. Die Basisfarbe der Afterflosse ist gelblich, die wiederum mit einem inneren roten und äußeren hellen oder auch weißen Band durchzogen ist. Die Brust- und Bauchflossen dagegen sind gelblichorange oder auch rötlich gefärbt.

 

 

 
 Bei der Zucht von Aphyosemion australe erzielt man die besten
Ergebnisse mit einem Männchen und zwei Weibchen. Aber auch in einem gut
bepflanzten Art- oder Gesellschaftsbecken kommen immer wieder einzelne
Jungfische hoch.

 

 

 

 

Es gibt einige Fundortformen, die etwas von der üblichen Aquariumform abweichen. So weist die Form von Kap Esterias über den Körper unregelmäßige Linien auf, dagegen bei den Tieren aus Süd-Gabun, im Biotop von Mayumba, erkennt man senkrechte Flecken oder auch Streifen auf dem Hinterkörper, wobei die Grundfarbe etwas heller erscheint. Auch gibt es noch eine xanthoristische Form, die auch weit verbreitet ist und allgemein als „Gold Kap Lopez“, oder fälschlicher Weise als Aphyosemion var. hyerresensii bezeichnet wird.

Dieser „Gold-Kap-Lopez“ wurde in den fünfziger Jahren durch Zufall bei einer Zucht entdeckt und aus einem Einzeltier durch Linienzucht erbfest. Bei dem Gold-Kap-Lopez fehlen die dunklen Farbtöne und es dominieren Orange bis Hellbräunlich, Rot und Weiß. Auch ist oft ein grünlicher bis bläulicher Schimmer an den Seiten zu erkennen, aber ziemlich hell. Außerdem besitzen beide Geschlechter grünlich schimmernde Augen. Bei den Weibchen der Normalform herrscht eine dunkle Körperfarbe vor sowie eine leichte rote Punktierung des Körpers und der Flossen. Der Körper der xanthoristischen Form jedoch erstrahlt in einem hellen Gelbgoldton.

Haltung und Zucht

Generell kann A. australe im Gesellschaftsbecken mit gleich großen und friedlichen Fischen vergesellschaftet werden. Will man sich aber an seiner ganzen Schönheit erfreuen, sollte man sie in einem Artenbecken pflegen.

Für etwa 20 Fische reicht ein Aquarium mit 60 cm Kantenlänge. Das Aquarium sollte gut bepflanzt sein, damit sich die A. australe wohl und sicher fühlen können. Für das Wasser empfiehlt sich ein pH-Wert um 7 und eine Karbonathärte von bis zu 10 °KH. Die A. australe sind gute Fresser und bevorzugen abwechslungsreiches Futter, wie Wasserflöhe, Hüpferlinge, Rote, Weiße, Schwarze Mückenlarven. Weitere Leckerbissen sind Rinderherz, sowie jegliches Wurmfutter, das jedoch, um eine Verfettung zu vermeiden, nicht zu oft gegeben werden sollte.

Die Zucht von A. australe ist sehr einfach. Es reicht schon ein fünf Liter fassender Behälter. Als Ablaichsubstrat bietet sich Flocken- oder Fasertorf an. Auch kann Javamoos oder Perlonwatte benutzt werden.

Das Liebeswerben des Männchens geht folgendermaßen vor sich: Das Männchen versucht das Weibchen durch Spreizen der Flossen ins Ablaichsubstrat zu locken, wobei die Auserwählte umschwommen wird. Durch zärtliche Stupser am Kopf der Auserwählten wird mehr Nachdruck verliehen.

Ist das Weibchen laichreif und erliegt es dem Werben des Männchens, so werden beide, nach mehreren Unterbrechungen, zum Laichsubstrat gelangen. Ziert sich das Weibchen, so wird es wiederum durch leichte Stupser am Kopf an den ausgerichteten Laichplatz gedrückt. Ist es nun laichbereit, so schmiegt sich das Männchen an seine Seite, wodurch eine s-förmige Körperstellung eingenommen wird. Meist wird die Rückenflosse des Männchens auf den Rücken des Weibchens gelegt und unter zitternden Bewegungen werden die Geschlechtsprodukte abgegeben. Danach trennen sich sofort beide Tiere.

 

 

 
Der
Prachtkärpfling „Kap Lopez“, Aphyosemion australe (im Bild ein
Weibchen) kommt in Nordangola, Kamerun, Kongo und Gabun in torfigen,
küsten nahen Gewässern vor, wo er in verkrauteten Gewässern mit Mulm
lebt. Im Aquarium pflegt man Aphyosemion australe am erfolgreichsten in
einer Gruppe, bestehend aus einigen Männchen mit etwas mehr Weibchen.

Will man viele Nachzuchten erzielen, sind alle zwei Tage die Eikörner im Laichsubstrat abzusuchen. Da die Eier kurz nach dem Ablaichen ziemlich hart werden, kann man sie ohne Bedenken aus dem Laichsubstrat herausnehmen, um sie dann in feuchtem Torf dunkel zu lagern. Je nach Temperatur schlüpfen A. australe nach drei bis vier Wochen aus.

Diese Art der Laichaufbewahrung hat mehrere Vorteile:  Es schlüpfen fast alle Tiere gleichzeitig und bei Futtermangel besteht die Möglichkeit, den Schlupf um einige Tage hinauszuzögern. Wir überführen nun den schlupfreifen Laich in ein fünf Liter-Gefäß und geben 18 bis 20 °C warmes Wasser dazu. Nach einigen Stunden werden unsere A. australe alle geschlüpft sein und frei schwimmen.

Nach dieser Phase sollten wir sofort als Nahrung frisch geschlüpfte Nauplien des Artemiasalina-Krebschen reichen. Man sollte wenig aber mehrmals täglich füttern, um ein Verderben des Wassers zu vermeiden, sonst ist die Brut gefährdet. Man kann den Laich auch im Wasser belassen, doch hat dies den Nachteil, dass die Jungfische sehr unregelmäßig schlüpfen. Es kommt auch vor, dass beim Schlupf der Dottersack zu groß ist und die Jungfische schwimmunfähig sind.

Nach dem Schlüpfen sollte man der Größe der Tiere entsprechend ein abwechslungsreiches Futter, wie vorher beschrieben, reichen. Nach einigen Monaten werden wir für unsere Mühe belohnt, besonders bei der Betrachtung der Männchen mit ihrer schönen Färbung und Flossenpracht.

Für einen verantwortungsvollen Züchter ist es wichtig, eine sorgfältige Auswahl des Zuchtmaterials zu treffen. Oft ist es erschreckend, was von Züchtern und Zoohandlungen angeboten wird.

Dass es aber doch noch verantwortungsvolle Züchter gibt, erkennt man daran, dass unser „Kap Lopez“ seit über 100 Jahren und zwei Weltkriegen sehr gut unter menschlicher Obhut überdauert hat. Er ist ein herrlicher Prachtkärpfling. Es lohnt sich, ihn auch in den nächsten Jahrzehnten weiterhin zu züchten und zu pflegen.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der ATInfo.

 

– Der Paradiesfisch – Macropodus opercularis

– Der Paradiesfisch –

Macropodus opercularis

von Heinz Bela


Verbreitung und Biotop:

Beheimatet ist unser Paradiesfisch in Südostasien – Ostchina, auf Hainan und in Nordvietnam.

Bevorzugt ist er in flachen, stehenden, oder manchmal auch in langsam
fließenden Gewässern zu finden, die sehr stark verkrautet sind.

Gelegentlich sind auch überflutete Reissümpfe ein idealer Lebensraum.

Beschreibung:

Kommen wir nun zur Färbung unserer bis zu 12 cm langen Makropoden. Der
Körper der Paradiesfische ist gestreckt und seitlich flach. Die
Grundfarbe, die von neun bis 15 vertikalen Streifen durchzogen ist,
kann bräunlich oder karminrot sein. Bei einer grünlichen oder blaugrauen Körperfarbe sind die Querstreifen jedoch karminrot.

 

 

 

Macropodus opercularis-Männchen

 

 

 

 

 

 

 

 

After- und Rückenflossen können bräunlich oder bläulich sein, mit
verschiedenfarbigen Tupfen, die mit einem hellen Rand abschließen. Die
Schwanzflosse ist beim Imponieren weit gespreizt, mit lang ausgezogenen

Spitzen. Ein Karminrot ist die vorherrschende Farbe, mit weißlichen
Streifen. Auch eine bräunliche Grundfärbung mit bläulichen Streifen
kann vorhanden sein. Die Brustflosse ist meist bläulich bis grünlich,

wobei die ausgezogenen Spitzen gelb oder hellrot sind. Der Kopf ist mit
schwarzen Strichen gezeichnet; die Kehle zeichnet sich durch eine
braune Färbung aus. Auf dem Kiemendeckel befindet sich ein Augenfleck.

Die Weibchen bleiben etwas kleiner und sind heller gefärbt. Man sagt,
dass sie nur rote Querstreifen haben. Ich hatte auch einige Tiere mit
hellblauen Querstreifen. Auch sind die Flossen nicht so großvolumig
ausgefallen wie bei den Männchen.

Bei den
Paradiesfischen gibt es auch noch eine Farbvariante – und zwar Albinos.
Hierbei ist die Grundfarbe Weiß, was eigentlich aber eher als ein
helles Gelb oder fleischfarben erscheint; doch sind die Querbänder

auch hier hellrot. Zudem sind hier die Augen rot, da in der Iris keine
Farbpigmente vorhanden sind und der Augenhintergrund, welcher stark
durchblutet ist, sichtbar wird.

 

Pflege und Zucht:

Zwei M. opercularis-Paare setzte ich in ein 40 Liter fassendes
Aquarium. Das Aquarium war mit einem üppigen Pflanzenwuchs ausstattet,
der mit einer lockeren Schwimmpflanzendecke abschloss. Da unsere

Makropoden keine großen Ansprüche ans Wasser stellten, gaben sie sich
mit Duisburger Leitungswasser zufrieden. Die Temperatur betrug 26 °C.
Nach vorheriger guter, kräftiger Fütterung zeigten die Weibchen einen
guten Laichansatz.

Schon am nächsten Tag bauten beide
Männchen an entgegengesetzten Seiten ihr Schaumnest. Das Schaumnest war
sehr flach, aber großflächig. Einen weiteren Tag später, abends um
17.00 Uhr, begannen die ersten Scheinpaarungen. Das Weibchen schwamm
immer wieder das Männchen an, das
aber zu sehr mit dem Bau des
Nestes beschäftigt war. Gönnte sich das Männchen kurz einmal eine Pause
und begutachtete sein Schaumnest, so kam sofort das Weibchen
angeschwommen, stupste dem Männchen in die Seite, um ihm zu zeigen,
dass es laichwillig war.

 

 

 

 

 

 

Macropodus opercularis – Umschwimmen
Macropodus opercularis – Umschwimmen

 

 

 

 

 

 

 

In diesem Zustand änderte das Weibchen seine Farbe. War es vorher
ziemlich dunkel, so wurde es nun sehr hell, fast durchscheinend. Das
Männchen zeigte dagegen „voller Stolz“ seine bis zum Zerreißen

gespannten Flossen und erglühte in den schönsten Farben. Besonders
schön kamen jetzt die grünen Querstreifen zum Vorschein. Der Leib des
Männchens bog sich leicht um das Weibchen, aber nur zaghaft, ohne es zu
umklammern, um sich danach sofort wieder zu lösen und das Weibchen
wegzujagen, um sich wieder intensiver dem Nestbau zu widmen.

Nebenbei wurde das andere Paar mit gespreizten Flossen und
Kiemendeckeln verjagt. So vergingen etwa zwei Stunden. Das Weibchen
wurde immer öfter akzeptiert und es kam zur Scheinpaarung, aber immer

noch ohne Eiabgabe. In dieser Phase begutachtete das Weibchen das Nest,
spuckte auch Schaumperlen in die zukünftige Kinderstube und zupfte hier
und da an den Schwimmpflanzen. Sehr intensiv beobachtete es das andere
Paar. Sobald eine der anderen Makropoden dem Nest zu nahe kam, wurden
beide mit gespreizten Kiemendeckeln bedroht und verjagt, wobei sie vom
Männchen unterstützt wurde.

Endlich war es soweit, das
Männchen erstrahlte mit gespreizten Flossen in seinen schönsten Farben
und umschloss das Weibchen mit seinem ganzen Körper. Beide drehten sich
so, dass die Geschlechtsöffnungen zur Wasseroberfläche zeigten und
unter zitternden Bewegungen wurden Eier und Samen ins Wasser abgegeben.
Langsam stiegen die Laichkörner – da sie leichter als Wasser sind – zur
Wasseroberfläche ins gemachte Nest.

 

 

 

 

 

 

Macropodus opercularis – Paarung
Macropodus opercularis – vor der Paarung

 

 

 

 

 

Das Weibchen löste sich nach der Laichabgabe sofort vom Männchen,
schaute sich um, ob auch ja kein Störenfried in der Nähe war; wenn ja,
so wurde er aggressiv verjagt. Das Männchen verharrte noch einige

Sekunden in dieser gebogenen Körperhaltung, um anschließend die nach
oben schwebenden Laichkörner mit dem Maul aufzunehmen und diese an
einer geeigneten Stelle des Nestes hinein zu spucken. An dieser

Tätigkeit beteiligte sich auch das Weibchen – wenn es Zeit hatte, denn
seine Hauptaufgabe war die Revierverteidigung. Bei jedem einzelnen
Laichvorgang wurden nur etwa fünf bis zwölf Laichkörner ins Wasser
abgegeben.

 

 

 

 

 

 

Macropodus opercularis – Aufnehmen der Eier ins Maul
Macropodus opercularis – Laichakt, Ausschnitt

 

 

Zwischen jedem Liebesakt wurde immer wieder am Nest gearbeitet. Einmal
wurden die Schwimmpflanzen verschoben oder neue Luftperlen in die
Kinderstube gespuckt. Nach etwa 2,5 Stunden war das Weibchen
ausgelaicht und wurde nun als möglicher Störenfried vom Männchen
verjagt. Unermüdlich ging die Arbeit am Nest weiter und selbst die
Laichkörner wurden umgeschichtet. Auch konnte man immer wieder
beobachten, dass das Männchen Wasserfontänen ins Nest spuckte, die
circa drei cm hoch spritzten.

 

 

 

 

 

 

Macropodus opercularis – Embryo (Kopf und Auge)
Macropodus opercularis – Larve, Schlupf

 

 

 

Nachdem ich sicher war, dass die Weibchen ausgelaicht waren, fing ich
diese heraus, um den Männchen mehr Ruhe zu gönnen, da in der
Zwischenzeit auch das zweite Paar abgelaicht hatte. Jetzt trat doch ein

bisschen mehr Ruhe ein. Kamen sich die Männchen doch einmal zu nahe, so
wurden nochmals die Flossen zum Zerreißen gespannt und es kam zum
Maulzerren – wie bei den Barschen. Beide Männchen aber waren mit der
Pflege des Laiches und nach etwa 30 Stunden mit der Betreuung der
Jungbrut ausgelastet.

 

 

 

 

Macropodus opercularis – Larve, Schlupf
M. opercularis – Larve, 1. Tag nach dem Schlupf

 

 

 

Unermüdlich wurde versucht, die frisch geschlüpfte Makropodenbrut
zusammenzuhalten, was aber nur bis zu dem Zeitpunkt klappte, wo der
Dottersack noch vorhanden war. Anschließend ging die Brut auf
Futtersuche, der Schwarm schwamm auseinander und sämtliche Bemühungen
des Männchens, denselben zusammenzuhalten, schlugen fehl. Das war nun
auch der Augenblick, die Männchen herauszufangen und die Brut zu
füttern. Verfüttert wurden Pantoffeltierchen, da Salinenkrebse noch zu
groß waren. An den prallen, gräulich aussehenden Bäuchen erkannte ich
ihren guten Appetit. Nach zwei Tagen wurden Nauplien der Salinenkrebse
gereicht und mehr und mehr erkannte man an den rosa umgefärbten
Bäuchen, dass der Futterwechsel stattgefunden hatte.

Das Wachstum war zufrieden stellend und es konnte auf Cyclops und
kleine Wasserflöhe sowie fein zerriebenes Trockenfutter zurückgegriffen
werden

 

 

 

 

.

 

 

 

M. opercularis – Larve, 1. Tag nach dem Schlupf

 

 

Fazit:

Abschließend kann man sagen: Der Paradiesfisch, Macropodus opercularis,
ist ein wunderbarer Fisch, den es lohnt zu erhalten. Er ist farblich
und von seiner Flossenpracht her sehr ansprechend, ein Allesfresser und
sehr genügsam. Was wollen wir mehr?!

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der ATInfo.

 

 

Der Kardinalfisch, Tanichthys albonubes Lin, 1932

Der Kardinalfisch, Tanichthys albonubes Lin, 1932

 

Mathias Ziegler

 

Der Kardinalfisch ist als ausgesprochen einfacher „Anfängerfisch“ bekannt. Obwohl das eine gewisse Berechtigung hat, sind leider immer noch viele unzutreffende oder ungenaue Informatio­nen zu finden. Dieser Artikel soll dazu dienen, einen Teil dieser Informationen zu berichtigen und auch dazu, mehr Aquarianer für diesen Fisch zu begeistern.

 

Herkunft:

Ursprünglich stammen Kardinalfische aus den Weiße-Wolken-Bergen bei Hong Kong und der weiteren Umgebung. Das Klima in Hong Kong und Umgebung ist subtropisch mit relativ starken Unterschieden zwischen Sommer- und Wintertemperaturen. Im Winter liegen die Maximaltem­peraturen zwischen ca. 15 und 20 °C. Im Sommer dagegen werden leicht 35 °C erreicht. In freier Wildbahn sind sie mittlerweile möglicherweise ausgestorben, deswegen sind die Tiere, die man im Handel bekommt ausschließlich Nachzuchten.

 

 
Kardinalfische sind ruhige Fische, die in freier Wildbahn in stark verkrauteten Gewässern mit dichter Randbepflanzung und viel freiem Schwimmraum leben.
© Foto: Elke Weiand

Haltung:

An die Wasserhärte werden keine größeren Ansprüche gestellt. Eine Gesamthärte zwischen 5 und 30 °dGH ist für die Haltung und Zucht geeignet. Die Karbonathärte kann sich auch in einem ähnlichen Bereich bewegen. Sehr wichtig ist aber die Wassertemperatur. Man liest oft, dass Temperaturen über 23 °C den Fischen schaden, das stimmt zwar, ist aber nur die halbe Wahrheit. Um Kardinalfische zu halten ist es besser, den jahreszeitlichen Temperaturwechsel zu simulieren. Im Sommer gilt die Regel mit nicht länger anhaltend Temperaturen über 23 °C, im Winter sollten sie so niedrig sein, dass die Fische die Vermehrung einstellen und ihre Färbung etwas grauer wird. Diese Temperatur liegt bei etwa 20 °C (mein Thermometer ist leider nicht besonders ge­nau). Dieser Temperaturwechsel wirkt sich positiv auf die Gesundheit, die Lebenserwartung und auf das Aussehen aus.

 
Der Kardinalfisch, Tanichthys albonubes , ist ein beliebter Aquarienfisch aus der Ordnung der Karpfenarti­gen (Cypriniformes). Er gehört zur Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) und zur Unterfamilie der Weiß­fische (Leuciscinae).

© Foto: Online Aquarium-Magazin

Lebenserwartung/Größe:

In einschlägigen Veröffentlichungen liest man oft von Aquarianern, denen die Kardinalfische schon nach wenigen Monaten eingegangen sind und oft wird ihnen geantwortet, dass diese Tiere eben nur etwa ein Jahr alt würden. Das ist Unfug, denn diese eingeschränkte Lebenserwartung haben sie nur dann, wenn die Wassertemperatur länger über 23 °C liegt. Schon wenn man nur das vermeidet, werden sie etwa 4 Jahre alt; auch diese Lebenserwartung ist nicht die tatsächlich zu­treffende. Wenn man seinen Tieren eine Winterpause mit tiefen Temperaturen gönnt, können sie 8 Jahre alt werden und dabei eine Länge von etwa 4 cm erreichen. Dass die üblicherweise kol­portierten Altersangaben keinen Sinn ergeben, erkennt man schon daran, dass die langen Flossen von Schleierkardinalfischen erst dann richtig ausgebildet sind, wenn das Alter der Tiere etwa 2 Jahre beträgt.

 
Die Naturform des Kardinalfisch besitzt nur einen schwarzen Streifen. Der denkbar anspruchslose Tanichthys albonubes wurde früher auch abwertend „Arbeiterneon“ genannt.
© Foto: Elke Weiand

Beckeneinrichtung:

Kardinalfische stammen aus eher kleinen Fließgewässern mit verkrauteten Stellen. Dementsprechend sollte man auch das Aquarium einrichten. Stellen mit Pflanzen als Versteckmöglichkeit und freie Bereiche mit relativ starker Strömung. Es empfiehlt sich, auf dem Boden Javamoos oder ähnliche Pflanzen zu gruppieren, da diese von den Fischen gerne zum Laichen genutzt wer­den. Damit das Wasser nicht zu warm wird, muss man das Becken entweder kühlen, an einen kühlen Ort stellen oder ohne Abdeckung betreiben.

 
Männchen. Tanichthys albonubes
© Foto: Online Aquarium-Magazin

Vermehrung:

Bei angemessener Temperatur, insbesondere wenn ihnen eine Ruhephase im Winter geboten wurde, vermehren sich die Fische sehr stark. Dazu benutzen sie Javamoos oder andere fein­fiedrige Pflanzen, die den Boden bedecken. Die Elterntiere betreiben keine Brutpflege, fressen aber, wenn überhaupt, nur wenige Eier und jagen kaum Jungfische (wenn überhaupt). Wenn die Fische in einem Artbecken gehalten werden, braucht man sich um den Nachwuchs nicht beson­ders zu kümmern, man sollte im Gegenteil Schnecken oder Garnelen im Becken haben, die einen großen Teil der Eier fressen. Selbst mit Laichräubern im Becken kommen ohne besonderes Jung­fischfutter immer einige Jungtiere hoch. Wenn man gezielt züchten will, kann man ein Männchen und einige Weibchen in ein Zuchtbecken mit reichlich Javamoos, einem Laichmop oder ähnli­chem halten. Die Fische werden bevorzugt morgens immer wieder ablaichen. Die Elterntiere sollten nach dem Laichen aus dem Becken entfernt werden, um die nach wenigen Tagen schlüp­fenden Jungtiere, sobald sie nach ca. einer Woche frei schwimmen, gezielt mit geeignetem Futter versorgen zu können. Weil die Jungfische sehr klein sind, benötigen sie Infusorien als Anfangs­nahrung. Nach einer weiteren Wochen werden auch frisch geschlüpfte Artemia -Nauplien ange­nommen.

Leider werden die Jungfische oft bei höheren Temperaturen gehalten, damit sie schneller wach­sen. Davor kann ich nur dringend warnen, weil es nicht gut für die Gesundheit und für die Ent­wicklung der Fische ist. Auch im Zoohandel findet man oft Kardinalfische mit verkrümmten Wirbelsäulen oder ähnlichen Missbildungen, die wahrscheinlich auf eine zu warme Aufzucht zu­rück zu führen sind.

Futter:

Die Ernährung von Kardinalfischen ist sehr leicht, weil alles gefressen wird, was ins Maul passt. Nur Futter, das auf dem Beckenboden liegt, finden die Fische nicht mehr interessant. Besonders gerne werden Lebendfutter wie Wasserflöhe, Mückenlarven, kleine Insekten und klein geschnit­tenes Gemüse gefressen.

 
Kardinalfisch-Weibchen.
© Foto: : Otto Böhm

Verhalten:

Hier liest man immer wieder: Kardinalfische seien Schwarmfische, die man ab 8 Tiere halten sollte. Auch das ist nur die halbe Wahrheit, denn das gilt nur bei Wintertemperaturen. Wenn Sommertemperaturen herrschen, ändert sich das Verhalten der Männchen stark. Sie besetzen dann Reviere, wobei besonders jene Stellen im Aquarium beliebt sind, an denen der Boden mit Javamoos bedeckt ist. Diese Reviere werden auch mit beeindruckendem Drohverhalten verteidigt und die unterlegenen Männchen verjagt. Deshalb sollten Versteckmöglichkeiten vorhanden sein. Innerhalb ihrer jeweiligen Reviere versuchen die Männchen dann Weibchen in das Moos zu trei­ben, um dort mit ihnen zu laichen. Auch die Weibchen brauchen Rückzugsmöglichkeiten, um sich zu erholen. Wenn man also versucht, wie man es oft lesen kann, eine Gruppe von 8 bis 10 Tieren in einem 60 cm Becken zu halten, sollte man viele Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten im Becken haben. Besonders bei einem offenen Becken sollte man nicht zu viele Männchen ha­ben, weil das gegenseitige Jagen so weit gehen kann, dass die unterlegenen Tiere aus dem Wasser springen. Es sollten auch mehrere attraktive Reviere mit feinfiedrigen Pflanzen am Boden vor­handen sein, um die Aggressionen in Grenzen zu halten. Da sie aber anderen Arten gegenüber friedlich sind, kann man sie in genügend großen Becken mit Arten vergesellschaften, die die jah­reszeitlichen Temperaturänderungen vertragen.

 

 
Eine der Zuchtformen, die man als „Schleierkardinal­fisch“ bezeichnet, besitzt größere Flossen, die rot ge­färbt sind, und einen roten Längsstreifen
© Foto: ATInfo-Archiv

Zuchtformen/Varianten:

* Normaler Kardinalfisch (Naturform)

* Schleierkardinalfisch: eine Variante mit längeren Flossen als die normale Variante.
Die längere Beflossung ist normalerweise erst im Alter von etwa 2 Jahren zu
erkennen. Jüngere Tiere kann man aber daran erkennen, dass der Schleierkardinal in
der Rückenflosse einen gelben Streifen hat, der dem normalen Kardinalfisch fehlt. Die
Schleierform des Kardinalfisches wird oft auch als Venusfisch verkauft. Unter diesem
Namen wird aber der „Chinesische Lampionfisch“ Aphyocypris lini gehandelt, der
gelegentlich als Beifang mit T. albonubes auftaucht und mit ihm verwechselt wird.
Aphyocypris lini stammt aus derselben Gegend und man hielt in früher für eine
Unterart des Kardinalfisches.

* Goldkardinal/Albinokardinalfisch: eine Albinoform, die entweder in der normalen
oder langflossigen Variante auftritt.

Insgesamt kann ich Kardinalfische nur als robuste Fische mit interessantem Verhalten und Aus­sehen empfehlen, da man sie mit geringem Aufwand problemlos halten und vermehren kann. Man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass sie in der Zoohandlung vielfach uninteres­sant aussehen. Das liegt meistens an den Temperaturen, unter denen die Tiere im Händlerbecken leiden.

Besonders interessant ist auch, dass die Jungtiere mit ihrem blauen, flureszierenden Leuchtstrei­fen anders gefärbt sind als die erwachsenen Exemplare und wie kleinen Neons leuchten.

© „ATInfo“ 10/2007