Gefährdung der Wälder und Flüsse Amazoniens und speziell des Hypancistrus zebra

 

 

Rückgang der Hypancistrus zebra Bestände im Fanggebiet und allgemeine Gefährdung der Biotope in Amazonien müssen wohl etwas getrennt betrachtet werden, da beim Zebrawels zusätzlich zur allgemeinen Biotopgefährdung auch noch der anscheinend doch enorme Druck durch die Fänge für die Aquaristik zumindest in einem bestimmten Bereich des Rio Xingú dazukommt.
Wie weit sich das Vorkommensgebiet des Hypancistrus zebra erstreckt, ist mir ehrlichgesagt auch nicht bekannt.

 

In der Erstbeschreibung wird nur der Fundort des Holotypus genau lokalisert.

 

Zitat IEF 1/4 1991 aus der Erstbeschreibung von Isbrücker und Nijssen S. 348:

 

Brazil, Est Pará, anastomoses of Rio Xingu, about one hour upstream of Altamira by speedboat…

 

 

Jetzt kann man mal wieder nur schätzen.
Wie schnell fährt so ein "Speedboat" flußaufwärts? 10 km/h?
Etwa 100 km den Xingu flußaufwärts von Altamira bei der Einmündung des Rio Iriri in den Xingu beginnt das erste Indianerschutzgebiet (nicht das der Kaiapo, sondern mehrerer Stämme, Trincheira, Kararao, Arara, …). Dort darf eigentlich nicht mehr gefangen werden.
Kommt der Zebrawels dort noch vor?
Oder ist sein Vorkommensgebiet wirklich auf einen kurzen Flußabschnitt beschränkt und weiter flußaufwärts kommen dann andere Hypancistrus Formen oder Arten (wer weiß das schon) vor, wie eben z.B. der "L 236" aus dem Rio Iriri (von dem es, da diese Form oder Art noch nicht wissenschaftlich beschrieben worden ist – wenn es überhaupt eine eigene Art sein sollte – natürlich noch keine genaue Fundortangabe des Holotypus gibt. Ich kenne jedenfalls keine genauen Fundortangaben, die Fänger werden natürlich ihre Quellen nicht verraten bei einem so teuren Fisch, abgesehen davon, dass der Fang dort ja nicht wirklich rechtens sein soll -?-)?

 

 

Der Rio Xingu ist ja kein kleines Flüßchen, sondern ein riesiger Strom, etwa 2.500 km Länge. Zum Vergleich: der Rhein hat etwas über 1300 km Länge.
Der Xingu bewegt pro Sekunde etwa 11 Millionen Liter Wasser in den Amazonas – Rhein etwa 2 Mio. Liter/sek im Unterlauf.
Das "Xingu-Tal" hat eine Fläche von etwa 504.000 km² und ist damit fast so groß wie Frankreich…

 

 

Das nur zur Veranschaulichung damit auch allen klar ist, "worüber" wir sprechen und dass das nicht "so" einfach ist, den Rio Xingu zu schützen.
Die Donau ist grad ein bißchen länger und führt bei weitem weniger Wasser, ich möchte mal die Reaktionen sehen, wenn wir hier auf einmal die Donau nicht mehr nutzen dürften, für uns war es ja schon ein Riesenerfolg, als wir ein Stückchen Auwald hinter Wien als Naturschutzgebiet durchbringen konnten und das ist vorher fast in einen Bürgerkrieg ausgeartet…

 

 

Ein Großteil des Rio Xingu ist eh schon Indianerschutzgebiet, hier mal zur Verdeutlichung eine zwei Karten davon (Copyright liegt bei der SI 2003, ich hoffe nicht, dass die hier mitlesen und mit verklagen werden…):

 

 

 

 

Die linke Karte zeigt die Indianerschutzgebiete und die rechte die Waldrodungsgebiete am Rio Xingu an.
Leicht zu erkennen, dass dort, wo Indianerschutzgebiete liegen, das Problem mit der Waldrodung kaum vorhanden ist.
Den Indianern obliegen alle Rechte in ihren Gebieten – sie, und nur sie dürfen eventuell Waldrodungsrechte an bestimmte Firmen verkaufen.
Aber sie denken inzwischen inzwischen sehr "naturschützerisch".
Diese Denkweise rührt auch von den Vorfällen Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts am Rio Xingu, als eben dieser Staudamm am oberen Rio Xingu gebaut werden sollte.
Die Indianer wurden damals von den NGO´s aufgerüttelt und aufgeklärt, wie ein eventueller Staudamm ihren Lebensraum zerstören würde.
Der Ethologe Daryl Posey animierte die Kaiapo Indianer zum Widerstand und organisierte ihren Demo Marsch gegen das Wasserkraftwerk.
Vielleicht haben einige von Euch noch die Bilder der beiden Kaiapo Häuptlinge in Erinnerung. Der Häuptling der südlichen Kaiapo, Rauoni, reiste damals mit Sting um die ganze Welt und der Häuptling der nördlichen Kaiapo, Paulo Paiakan, wurde bei den Politikern herumgereicht, hatte gute Kontakte zu Al Gore, ist unter anderem "Bruno Kreisky Preisträger für Menschenrechte" (und heute verurteilt wegen Vergewaltigung – er "versteckt" sich im Gebiet seines Stammes wo die Brasilianische Justiz keinen Zugriff auf ihn hat).
Natürlich gibt es mit der Überwachung auch einige Probleme, die Kaiapo umfassen etwa 5.000 Menschen und sollen ein Gebiet etwa so groß wie Österreich überwachen. Sie haben allerdings ein Flugzeug von Bodyshop incl. Pilot zur Überwachung zur Verfügung gestellt bekommen – Gegenleistung sind die alleinigen Fotorechte für Bodyshop – sowie Nußknackmaschinen für Paranüsse und verkaufen auch ihre Paranüsse an Bodyshop.
Ganz "so" arg siehts also am Rio Xingu nicht aus.

 

 

Natürlich gibt es im Gebiet illegale Goldschürfer, welche mit ihrem Quecksilber und den daraus einherrührenden Dämpfen, welche durch den Regen wieder auf das Gebiet niedergehen, die Umwelt samt Menschen vergiften.

 

 

Die Waldrodung ist ein allgemein Amazonisches Problem.
Am Rio Xingu direkt vielleicht nicht so schlimm, bloß "ist der Rio Xingu nicht alleine".
Der ganze Amazonas Regenwald hängt ja zusammen.
Und um einen Regenwald am existieren zu halten, benötigt es eine bestimmte Niederschlagsmenge. Diese beträgt etwa 2.000 mm NS/Jahr für einen tropischen Regenwald.
Nun wird diese NS Grenze in Amazonien ab etwa Zentralamazonien gerade noch erreicht. Im Osten (Richtung Atlantik, Rio Tocantins) schon nicht mehr.
Problem: 74 % der Niederschläge in Amazonien sind "hausgemacht", nur etwa 26 % werden durch Passatwinde vom Atlantik herbeigeführt.
Der Wald hat eine riesige "Schwammwirkung". Er saugt das Niederschlagswasser auf und gibt durch Verdunstung einen großen Teil wieder an die Atmosphäre ab. Der Rest geht in die Flüsse und damit in den Atlantik.
Wenn nun ein Stück Wald gerodet wird, geht die Schwammwirkung dieser Fläche eben verloren. Mehr Wasser geht direkt in die Flüsse und damit in den Atlantik.
Der Passat bringt deshalb aber nicht mehr Wasser zurück!
Dieses Wasser geht also in den Amazonischen Niederschlägen ab. Und ein großer Teil des Amazonischen Regenwaldes liegt in Gebieten, die bezüglich Niederschlägen sowieso schon an der Grenze liegen, an der ein tropischer Regenwald existieren kann.

 

 

Das führt zu einer Austrockung des Waldes, Laubfall, mehr Sonnenlicht kommt am Boden an, mehr Austrockung…

 

 

Wald beschattet kleine Bäche, Bäche mit ihrer ins Wasser reichenden Vegetation sind teilweise wichtige Brutstätten für viele aquatische Lebensformen… Beschattung – Vegatation im Wasser fehlt – Temperatur steigt… Auswirkungen auf die Fischfauna kann sich jeder vorstellen.
(es gibt da, allerdings nicht über Amazonische, sondern Mittelamerikanische Harnischwelse und deren Freßverhalten gute Untersuchungen von Mary E. Power – Ergebnisse u.a., dass die untersuchten Harnischwelsarten – hier Ancistrus, Hypostomus und Loricaria nur einen Algenrasen von bestimmter Länge abgrasen. Man stelle sich nun vor, durch vermehrte Sonneneinstrahlung vermehrtes Algenwachstum, diese "hohen" Algen werden aber dann von den Harnischwelsen gar nicht mehr als Nahrung angenommen…)

 

 

Weiteres Problem:
Der Amazonische Regenwald brennt nicht (bzw. brannte nicht), er ist zu feucht.
Blitzschlag war kein Problem (und damit einhergehende Waldbrände).
Die Brandrodungen der Indianer (sie ziehen alle fünf Jahre weiter und brennen dafür ein kleines Stück Land nieder) waren kein Problem, das Feuer griff nicht auf den restlichen Regenwald über.
Nun ist der Wald aber teilweise trockener, er brennt.
Die möglichen Auswirkungen mag sich jeder selbst ausmalen.

 

 

Und wer ist schuld an der Abholzung der Amazonischen Regenwälder?
Hauptschuld trägt der Staat Brasilien selbst!
Von 1965 bis 1983 hat der Staat Brasilien die "Nutzbarmachung" des Landes mit 600 Mio US-$ gefördert.
Man konnte riesige Landgebiete zu unglaublich billigen Preisen kaufen, einzige Bedingung dafür war, dass man das Land nutzbar machen mußte.
Dadurch entstanden die riesigen Farmen (die größte hatte 6.800 km²!) für die Viehwirtschaft, für Monokulturen, …
Nur ist in Amazonien aufgrund des geringen Nährstoffgehaltes des Bodens JEDES landwirtschaftliche Großprojekt gescheitert.
Brasilien hat auch dann diese Förderungen nicht mehr gezahlt, das ehemalige Weideland für die Rinder wird nicht mehr genutzt,verödet, versteppt (die ersten Gebiete sind schon Ende der 60er Jahre verödet – aber inzwischen roden die Großgrundbesitzer wenigstens keine neuen Waldflächen mehr für ihre Weiden). Durch dieses Land ziehen aber auch Flüsse, durch Erosion, Niederschlag kommt das Sediment in die Flüsse, trübt Klarwasserflüsse ein, was wieder zu Kettenreaktionen führt…

 

 

Was sind heute die Gründe für die Abholzung?

 

 

Bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein kam nur etwa 2 % des weitweit genutzten Tropenholzes aus Amazonien.
Der allergrößte Teil aus Südostasien. (Afrika war und ist als Tropenholzlieferant total belanglos, die Afrikaner haben sich ihren Regenwald selbst zerstört, das Holz zum Heizen und bauen genutzt und nicht exportiert.)
Als in den 80er Jahren dann diese Umweltschutzgedanken und Rettungsaktionen für die Regenwälder allmählich aufkamen, auch die globalen Umweltschutzkonferenzen, waren die Südostasiatischen Länder mehr oder weniger gezwungen, ihre Tropenwälder besser zu schützen um nicht vor der restlichen Welt als Umweltverbrecher dazustehen.
Und Brasilien hatte seinen zweiten tropischen Regenwald, die Mater Atlantica, bis dahin beinahe vollkommend zerstört.

 

 

Das bis dahin als Tropenholzlieferant unbedeutende (weil nicht erschlossene) Amazonien rückte in den Mittelpunkt des Interesses der globalen Holzwirtschaft.
Nun werden in Amazonien aber nur sehr wenige Holzarten für den Export genutzt (genau 147 Arten, eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich zur Gesamtzahl der Holzpflanzen).
Die Forstwirte argumentieren nun, dass die Holzindustrie in Amazonien nur Einzelstammnutzung betreibt, und diese Art der Nutzung für den Gesamtwald nicht schädlich ist.
Allerdings zeigen Untersuchungen (von Uhl & Viera) ein anderes Bild:
Obwohl bei einer derartigen Nutzung nur 1 – 2 % der Stämme mit einem Durchmesser von > 10 cm dbh gerodet und aus dem Wald entfernt werden, verursacht eine solche Nutzung durch die verwendeten Maschinen (Buldozzer) nach dem Abtransport der Stämme aus dem Gebiet eine Schädigung oder ein Absterben von 26 % aller Stämme mit einem Durchmesser > 10 cm in Brusthöhe in dem bearbeiteten Gebiet (das "Kleinholz" wurde gar nicht untersucht) und nach Beendigung der Arbeiten sind nur noch 43 % des Bodens waldbedeckt -> extrem erhöhte Sonneneinstrahlung, Austrockung, … (Folgen wie gehabt).
Einem Landbesitzer bleibt nach einer solchen Aktion auf 50 ha ein Reingewinn von 9.000 US $ – also ein einträgliches Geschäft.
Und ein weiterer Aspekt, der von den Holzfirmen verschwiegen wird (sie argumentieren, dass sie nach der Nutzung ja etwa 100 Jahre aus dem gleichen Gebiet wegbleiben):
Durch die Abholzung der (wenigen) Bäume und die dafür erforderlichen Maschinen wird das vorher absolut unzugängliche Regenwaldgebiet zugänglich gemacht (Wege, …), und die landlose einheimische Bevölkerung kann in dieses Gebiet nachziehen.
Eine der größten Ressourcen in Amazonien sind die Erzvorkommen. Riesige Erzabbaugebiete sind entstanden, und zur Erzgewinnung braucht man riesige Mengen an Holzkohle für die Öfen.
Diese Holzkohleerzeugung ist nun eine der wenigen Einnahmequellen für die verarmte Landbevölkerung, und diese kann nun in vorher unzugängliche Regenwaldgebiete, welche von den Holzfirmen durch ihre Einzelstammnutzung zugänglich gemacht worden sind, nachziehen und den "Rest" des Waldes "bearbeiten". Die Folgen… (kann sich jeder selbst ausmalen).
Brasilien braucht allein für die Gußeisenproduktion jährlich eine Menge von 25 Mio. m³ Holz (entspricht 900 – 2000 km² Wald).
Inzwischen wurden für den Bergbau weitere 40.000 km² als Konzessionsflächen bewilligt, großteils in Indianergebieten, es liegt also wieder mal an den Indianern…

 

 

Und die Staudämme?

Am oberen Xingu werden wohl die Indianer einen Staudamm verhindern.
Der flußabwärts von Altamira geplante Staudamm in Belo Monte wird heftigst bekämpft, könnte große Probleme bringen, das Projekt ist nocht nicht durch. Überschwemmt würden etwa 400 km² Land.
Solche Wahnsinnsaktionen wie den Tucurui Staudamm am Rio Tocantins (2.500 km² Wald wurden überflutet, etwa 6 Mio. m³ Holz ungenutzt überflutet – inzwischen hat man in Brasilien die "Unterwassermotorsäge" erfunden und dieses Holz wird heute "unter Wasser" gefällt) wird es wohl nicht mehr geben, trotzdem sind etwa 80 Staudammprojekte in Planung.
Bloß, wieviele Staudämme gibt es alleine an der Donau?

 

 

Ich weiß, dieses Posting war wieder "ultragescheit", bloß vielleicht versteht jeder, der es von oben bis unten durchgelesen hat, dass es nicht _einen_ Grund für das seltener werden des Zebrawelses gibt.
Vielleicht schreit dann keiner mehr "die Goldgräber sind schuld!".
Man muß die ganze Problematik ein bißchen differentierter sehen und alle Einflüsse mit einbeziehen, auch, wenn dann die Zukunftsausichten nicht so besonders rosig erscheinen.
Es sind nicht bloß die 1 Mio Goldgräber in Amazonien.
Es ist nicht bloß die Holzwirtschaft oder die Weidewirtschaft.
Es sind nicht bloß die Staudämme.
Und Aquarienfischfänger? Beim Großteil der Zierfischarten macht der Fang für die Aquaristik sicher keine Gefährdung aus. Beim Zebrawels ist das vielleicht etwas anders. Wenn das Vorkommensgebiet wirklich auf einen kurzen Flußabschnitt beschränkt ist, wird sich der extreme Fangdruck sicher auf die Populationen auswirken. Leerfischen ist aber wohl kaum möglich.
Wenn das Vorkommensgebiet eventuell aber viel größer sein sollte, bekommen "wir Aquarianer" zwar trotzdem keine L 46 mehr (oder nicht mehr so leicht), aber die Art ist zumindest durch die Zierfischfänger dann garantiert nicht gefährdet… (d.h., sie ist dann genauso gefährdet, wie die meisten anderen Lebewesen in Amazonien).
Ich finde das Exportverbot bzw. Export- oder Fangbeschränkungen für den Zebrawels jedenfalls ganz ok…

 

 

 

 

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